Radical-Blog
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Die Sehnsucht nach völliger Hingabe

Hingabe Wasser im Ozean

Kennst Du die Sehnsucht überwältigt zu werden? Kennst Du das Verlangen
zu unterliegen? Dich hinzugeben, Dich aufzugeben, „Nimm mich!“ zu sagen?

Viele Frauen kennen diese Sehnsucht. Sie hat nichts damit zu tun, tatsächlich
vergewaltigt werden zu wollen oder von Gewalt zu träumen. Rein gar nichts.

Sie hat etwas mit Weiblichkeit auf der Suche nach Männlichkeit zu tun.

Hier geht es um Urprinzipien, um Yin und Yang, um Geben und Nehmen, um
Aktion und Reaktion, um Gott und Teufel.

Dieses Verlangen kann einem den Verstand rauben. Es ist verantwortlich für
Ehebrüche, gescheiterte Beziehungen und ratlose Liebende. Aber auch für (vorübergehende) Gefühle der ewigen Zusammengehörigkeit Zweier, die sich
gegenseitig (vorübergehend) diese Sehnsucht stillen.

Die Energie der Hingabe versickert

Doch was ist, wenn da niemand da ist, dem Du Dich hingeben kannst? Etwa,
weil Dein Partner nicht in dem Maße sein Urprinzip lebt, wie Du Deines? Dann verkümmert Dein Verlangen, Dein Feuer, Deine Leidenschaft…dann erlebst Du
immer und immer wieder die Zurückweisung Deiner Weiblichkeit, und wirst
immer bitterer und bitterer.

Oder da ist tatsächlich niemand, dem Du Deinen Körper, Deine Seele anvertrauen
kannst, da ist einfach niemand, der Dich erhören kann, der Dein Verlangen stillt,
es mit Dir teilt, mit dem Du gemeinsam die Extase von Ganzheit leben kannst.

Wenn das männliche Prinzip in Deinem äußeren Leben verletzt ist, dann ist das Gleichgewicht in Deinem Inneren aus der Balance. Dein weibliches Verlangen nach Hingabe stößt auf äußeren Widerstand, weil Deine innere Männlichkeit nicht anwesend ist oder zu stark vertreten. Ja. Wir sind Mann und Frau. Egal ob Mann oder Frau. Jeder trägt beide Prinzipien in sich. Doch selten bis nie zu gleichen Anteilen.

In der Ganzheit machen wir uns überflüssig

Wären wir beides zu gleichen Anteilen, wäre eine äußere Manifestation von Mann und Frau überflüssig. Dann hätten wir unseren Sinn bereits erfüllt. Ganzwerdung. Ganz werden heißt Eins werden mit den Polen, die im Relativen erscheinen. Im Absoluten existieren sie nicht mehr. Im Absoluten existiert das Namenlose, das Undefinierte, das, was die ganze Zeit anwesend ist, und doch nicht sichtbar, die Grundlage unseres Erscheinens.

Letzlich geht es nicht um einen Mann und eine Frau. Es geht nicht um Deine Sehnsucht nach Hingabe an einen Partner. Es geht um die Hingabe an das Leben. Und im letzten Sinne, um die Hingabe an Dein Selbst. Doch der Tropfen will Tropfen bleiben, und hat Angst davor, sich im großen Ozean aufzulösen.

Wie sehr widersetzt Du Dich dem Leben und der Umstände, die es Dir beschert? Wieviel Widerstand ist in Dir? Wieviel Angst vor dem Unbekannten? Wieviel Angst vor dem Tod?

Wir haben alle Panik davor, vollkommen zu vertrauen. Wir sind voller Konzepte von der Welt und voller innerer Grenzen. Alles Maßnahmen uns vor der Vernichtung zu schützen.

Die Panik vor dem Vertrauen

Dieser Text wurde ausgewählt und erscheint in meinem Buch
„Neuland: In Resonanz mit dem Leben“, das ich zusammen mit
Daniel Herbst geschrieben habe. Es erscheint Ende Mai im Noumenon
Verlag. Du kannst es schon jetzt vorbestellen und dann dort weiterlesen. 🙂

In Verbundenheit,

Deine Nicole

Nicole

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12 Kommentare

  1. Hingabe ist ein langer Prozess von annehmen was ist und auf dem Weg gibt es schon viel Geschmack von der Freiheit des nur Seins und auch von Geschenken der inneren Führung . Die Vorstellung des Plötzlichen ist deshalb gar nicht hilfreich, auch wenn am Ende oder irgendwann plötzlich etwas geschehen mag.

  2. Elisabeth Rostek sagt

    Wau Nicole!
    Was für ein schöner und mutiger Artikel!!
    Trifft mich tief ins Herz, bin gerade wieder einmal mit meinen Ängsten konfrontiert, Ängste zu versagen, abgelehnt zu werden, aber auch Angst Erfolg zu haben.
    Und ich habe Widerstände gegen diese Angst, trotz besseren Wissens.
    Mir scheint ich bin eine „Wiederholungstäterin“; denn als Jungfrau ist mir viel nachdenken in die Wiege gelegt; danke für deine „Wegweiser nach Hause“.
    Alles Liebe
    Elisabeth

    • Nicole Paskow sagt

      Dann können wir Jungfrauen uns ja die Hand reichen ;-)…ich schreib das ja alles
      für mich, denke manchmal auch „zu viel“ nach…
      Herzliche Grüße, Nicole

  3. Liebe Nicole,

    dein Beitrag ist nicht in Worte zu fassen….so tiefgründig ist er! Er kommt genau zu richtigen Zeit.
    Von der Seite konnte ich es noch nie sehen.
    Ich danke dir ganz herzlich ❤❤❤

    Liebe Grüße

  4. Liebe Nicole, von Herzen vielen Dank für diesen Beitrag!!! So vieles in mir hat Aha und Ja gesagt. Einfach wunderbar.
    Viel Erfolg weiterhin und beste Grüße von Birgit

  5. Liebe Nicole, Du glaubst gar nicht, wie sehr Du einen bislang noch „wunden Punkt“ bei mir getroffen hast: als Kind habe ich kein „Urvertrauen“ erfahren dürfen (meine Eltern sind aus der Kriegsgeneration… das Buch „Seelische Trümmer“ von Bettina Alberti beschreibt es). Deswegen ist das „Los-lassen“ so schwierig, weil man nie weiß, ob im nächsten Moment nicht eine Welle über einem zusammenbricht.
    Ich habe gelernt, „JA“ zu sagen zu meinem Leben, aber der letzte Mut hat dann immer noch gefehlt.
    Deshalb DANKE für Deine Worte.

    • Nicole Paskow sagt

      Lieber Georg, ich kenne das Gefühl, das Du beschreibst, die Angst, ob die Welle nicht doch
      über einem zusammenbricht. Wenn man früh massive Unsicherheit im Umfeld erfahren hat, gar
      Todesangst, ist es tatsächlich besonders schwer Urvertrauen aufzubauen. Ich wurde mit
      der Nabelschnur um den Hals geboren und sofort von meiner Mutter getrennt und für zwei Wochen
      in ein anderes Krankenhaus gebracht.
      Diese Erfahrung der Angst und Unsicherheit ist auch noch in meinen Zellen gespeichert.
      Doch man kann sich dem Vertrauen ins Leben annähern, mit innerer Arbeit und einem offenen Geist.
      Alles Liebe für Dich, Nicole

  6. jutta beckmann sagt

    Liebe Nicole
    lieben Dank dir
    Ohne bzw wieder ohne die männliche Energie zu leben fällt mir unendlich schwer.
    Ich fühle mich unsicher,abgelehnt nicht im Einklang mit mir und in mir zu ruhen ,glücklich zu sein mit allem was ist.
    wird schon nur geduld
    LG Jutta

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