Radical-Blog
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Das unsichtbare Paradies


In jenem Moment, als die Zeit verrutschte, saß ich frühmorgens in der Bäckerei und hielt mich an meinem Kaffee fest. Ich sah verschlafen auf die Menschen, die ihre Brötchen bestellten und die Verkäuferinnen, die sie einpackten. Mechanisch, auf Vollautomatik, mit eingeübtem Lächeln.

Das Licht fiel weich und warm auf die frisch aufgebackenen Brötchen und tauchte sie in einen rötlichen Schimmer. Alles strahlte eine aufgesetzte und dennoch angenehme Geborgenheit aus.

Wohin gehen eigentlich die Momente? Diese Frage stand plötzlich in meinem Kopf, wie der dicke Mann, der mir jetzt die Sicht auf die Theke versperrte. Vorher war er nicht da. Wo sind die Leute hin, die vorher da waren? Wo ist der Augenblick hin, als ich die Bäckerei betreten habe?

Alles nur in meinem Kopf

Es ist alles nur noch in meinem Kopf. Mein gesamtes Erleben spielt sich vor meinen Augen ab und verschwindet dann in meinen Kopf. Oder ist es vielleicht sogar die ganze Zeit schon dort? Und wo ist mein Kopf, wenn alles darin sein soll? Eine endlose Verschachtelung tat sich vor mir auf.

Nein. So nicht.

Nochmal. Wo gehen all die Momente hin? Wo ist die Vergangenheit? Sie existiert einzig und allein in meiner Vorstellung. Meine Vorstellung? Die Zukunft ist ebenfalls dort. In meiner Vorstellung.

Die Vergangenheit und die Zukunft existieren ausschließlich in unserer Vorstellung.

Die Gegenwart ist der Ort, an dem wir atmen, an dem wir leben. An dem wir sind. Wenn, ja wenn wir anwesend sind. Wenn wir nicht in unseren Vorstellungen verschwinden. Von der Vergangenheit, von der Zukunft…

Dieser Text würde ausgewählt und erscheint in meinem Buch
„Neuland – In Resonanz 
mit dem Leben“, das ich zusammen mit Daniel Herbst
geschrieben habe. 
Es erscheint Ende Mai im Noumenon Verlag.
Du kannst es bereits vorbestellen und dann dort weiterlesen ;-).

 

In Verbundenheit, Nicole

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11 Kommentare

  1. Adriane sagt

    Hallo, ja, ich bin auch am Leben! Vielleicht ist das genau der wichtigste Satz , das „Ich bin am Leben“. Mit dieser Erkenntnis oder Wahrnehmung kommt Trauer in mir hoch. Über alle Momente, in denen ich nicht am Leben war. Momente, in denen ich zwar offensichtlich doch am Leben war, aber eigentlich innerlich geschlafen habe. Ich wache auf Schritt für Schritt und bin neugierig darauf, was passieren wird. Oder vielleicht besser: Ich bin aufmerksam. Ich sage zu mir: Egal, was ich fühle, es darf da sein.

  2. Ingrid sagt

    Wunderbarer Text, Herz berührende Worte und doch so passend für mich, sie gerade heute Morgen zu lesen, weil sie meine Gefühle, meine Gedanken erreichen und ich mir genauso gerade alles anschauen darf, was in meinem Leben bisher so gelaufen ist, wie Du es beschreibst. Und doch frage ich mich in letzter Zeit ständig, wie viele Menschen sind wirklich wach, leben wahrhaftig und irgendwie fühle ich mich (noch) verloren darin, weil ich gerade dadurch die Trennung extrem in mir spüren kann und dann bin ich auch wieder total glücklich, beim Tanzen z.B., weil das Leben ist Tanz und da fühle ich die ganze Leichtigkeit und dass mich diese Leichtigkeit lebendig und zufrieden macht. Danke, liebe Nicole, für den Anstupser.

    • Nicole Paskow sagt

      Liebe Ingrid, danke für Deinen Kommentar! Du sagst es selbst, Du spürst die Trennung „in Dir“, das ist eben der Ort, an dem sie geschieht, genau so ist es der Ort, an dem „Einheit“ geschieht. Das Außen spiegelt Dir Deine innere Trennung wieder. Wenn Du mit Dir selbst Eins bist, ist es Dir egal, wer oder was außer Dir noch „erwacht“ ist, so geht es mir zumindest, Du strahlst in Dir für Dich und das ist genug für alle 😀

  3. Liebste Nicole,
    von Herzen DANKE für dich und dein SEIN…. für deine innere Stimme, der du folgst und dich gefunden hast…. und ein weiteres DANKE…. das du dies alles mit uns teilst!
    Deine Worte im Video und dieser Text haben im mir etwas berührt…. etwas bestätigt….. ich kann erahnen was dir wiederfahren ist und freue mich so sehr für dich!!!!
    Und ich musste so schmunzeln als ich deine Worte las…. das es „egal“wird was im Außen ist, wenn die Erfüllung in sich lebt…. genauso geht es mir….
    Seid dem Tod meiner lieben Freundin, die ihr Leben nicht annehmen konnte, weil ihr Schmerz einfach größer war als die Freude zu leben…. sie hat es genau so gesagt… dieser Tod hat mir gezeigt, wo ich selbst noch nicht LEBE…. und dann drei Monate später… die nächste Beerdigung …. und da wusste ich… ich lebe noch immer nicht wahrhaftig mein ganzes Sein…. wenn in meinem Außen in kurzer Zeit liebe und eng verbundene Menschen sterben… dann hat das etwas mit mir zu tun und dann schaue ich mach diesem Geschenk, dass die anderen mir mit ihrem Weg gemacht haben…. ich schaute und sah… ich belüge mich auch noch über mich selbst und über mein Leben….
    …. und dann deine Worte… und es macht „bing“ in mir….. Danke, Danke, Danke…..
    jetzt habe ich wieder ein Stück näher zu mir gefunden….
    ich gehe weiter…. Schritt für Schritt…. dankbar für jeden Impuls und jedes Erwachen… jedes Erkennen….

    Danke dir und Danke Daniel!
    In tiefer Liebe und Verbundenheit
    Cornelia

  4. Anna Unterweger sagt

    Danke liehe Nicole von Herzen für d. Wundervollen authentischen Worte. Du beschreibst es so treffend.. es könnte von mir sein. So schön erlebe ich d. Welt jeden Tag u. Genieße es sehr , bin glücklich. Wünsch dir noch wundervolle WeihNachtstage.

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