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Wenn das alte Leben stirbt…


Wenn der Apfel reif ist, fällt er vom Baum…

Der Augenblick der Reife ist ein Drängen. Es ist eine Anspannung, ein Aufbäumen und ein Loslassen dessen, was sich verwirklichen will. Der Apfel fällt vom Baum. Der eine Satz, für den man Monate gebraucht hat, ist plötzlich gesagt und auch wirklich so gemeint und ab hier – ändert sich alles. Innerhalb von Stunden, von Minuten.
Und meistens noch im ungünstigsten Moment.

Das alte Leben stirbt. Niemand weiß, was kommt. Es ist ein Schock, ein Schreck, da ist Fassungslosigkeit, wenn man wirklich realisiert, dass etwas zu Ende ist. Ein Riss in der Zeit, ein Bruch im Universum, eine offene Wunde im Herzen.

Es ist wirklich Sterben, wenn man eine lange, energetisch sehr ineinander verflochtene Verbindung löst. Jeder stirbt in sich selbst hinein und erwacht darin als eigenständige Energie, ohne den anderen mehr in sich zu realisieren. Dieser Prozess kann lange dauern. Er ist schmerzhaft und von eruptiven Gefühlsausbrüchen durchzogen. Festhalten tut wirklich weh.

Niemand will Veränderung

Im Grunde will niemand Veränderung von eingefahrenen Mustern und Bahnen, egal wie leidvoll diese Muster sind. Veränderung tut weh, sie ist anstrengend, unvorhersehbar und der Weg ist mit vielen Rückschlägen gepflastert.

Niemand will allein sein, niemand will sich alleine fühlen. Verlassen, vergessen und
ungeliebt. Wir tun alles dafür, um diesem Gefühl auszuweichen. Wir wollen in Wirklichkeit nichts mit uns zu tun haben. Mit uns allein, ohne den Kontext anderer Menschen.
Wir kennen uns im Grunde nicht und das Unbekannte macht Angst.

Und doch ist es der einzige Weg in ein wirklich lebendiges Leben: Der Fall in dieses Gefühl und die Landung in sich selbst. Wenn diese Landung vollständig gelingt, gibt es keine Vertreibung mehr aus diesem Paradies. Dann verlasse ich mich nicht mehr und bin nie mehr verlassen, auch wenn andere Menschen von mir gehen.

Viele schaffen es nicht. Sie geben unterwegs auf. Sie fallen in alte, nicht durchschaute Muster zurück, und betäuben für den Rest ihres Lebens jeden Zweifel, der aus der Tiefe aufsteigt. Oder, wenn es ganz schlimm kommt, bringen sie sich um. Weil es zu schwer ist, weil das heiße, zersetzende Gefühl der Einsamkeit, der unausweichbaren Konfrontation mit sich selbst, wirklich unerträglich sein kann.

Die Vorstellung, ganz allein zu sein…

Die Vorstellung, ganz auf sich allein gestellt zu sein in einer riesigen Welt, die einem fremd und kalt vorkommt, mit der man nicht verbunden ist, in der man verlassen wird und benachteiligt, ist wirklich tödlich.

Wie soll es möglich sein darin zum Leben zu erwachen?

Indem man dieses Gefühl vollständig zu sich nimmt. Ich ergebe mich hinein in mein tiefstes, allumfassendes Alleinsein. Ich lasse mich davon verschlingen, ich werfe mich schreiend, weinend, wimmernd oder auch ganz leise und still, in dieses dunkle, kalte Meer und lasse mich in die Tiefe ziehen. Ich weiche ihm nicht mehr aus. Ich stelle mich ganz zur Verfügung als unendlicher Raum für meine Einsamkeit.

Dann wird das Alleinsein zu mir selbst. In dieser Selbstwerdung verschwindet es als Schmerz und kommt zu mir als Ich. Ich bin davon nicht mehr getrennt, denn alles, womit ich Eins bin, ist von mir nicht unterscheidbar und somit verliert Alleinsein seine Qualität des Schreckens und erwacht als die tiefst mögliche Nähe zu meinem Ich, das mit dem So – Sein verschmilzt. Einsamkeit verschwindet in mir als Ich und diese Verschmelzung ist rein, still und auf eine ruhige Art glücklich, getragen in sich und von sich selbst.

Ein Leben, das nur sich selber folgt…

Zuversicht kann von hier aus erwachen. Die Zuversicht dass es weiter geht,
von hier aus. Von mir aus. Diesmal noch näher, noch klarer, noch wirklicher.
Oder zum ersten Mal klar, nah und wirklich! Ich erkenne meine Lebensmuster
und muss sie nicht mehr wiederholen.

Das wäre ein würdiges Erwachen aus einem alten Traum, der nur dazu da war
mich vor dem lebendigen Leben zu beschützen und deshalb genau davon abhielt:
vom echten Leben.

Vor dem Leben, das sich selbst erlebt, für sich einsteht, sich nicht übergeht und
keine falsche! Rücksicht nimmt. Ein mutiges Leben, das nur sich selber folgt und
dadurch glücklich ist.

Wenn das alte Leben stirbt … stirbt eine ganze Welt, ein vollständiges Universum verschwindet als Vergangenheit. Und der Lauf des Lebens will es so, wenn man sich ihm nicht entgegenstellt: Ein neues Leben erwacht, das heller strahlt und lebendiger ist, als alles, was davor existiert hat…

Wenn man bereit ist, als die alte Version von sich selbst, zu sterben.

In Verbundenheit, Nicole

Wenn Du Unterstützung suchst, auf Deinem Weg in Dein lebendiges Leben,
dann stehe ich Dir gern zur Verfügung.
Unter Radical – You  findest Du alle Informationen.

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8 Kommentare

  1. Heike sagt

    Liebe Nicole, wunderbar verfasst….und schon kommt ein feiner Schmerz, weil ich gerade in die Vergangenheit abtauche und all das, auch mein Erleben war. Ich nehme den Schmerz zu mir, und bin mir bewusst darüber, das im hier und jetzt alles in Ordnung ist. Dennoch taucht der Schmerz auf, als etwas , was mich viele Jahre begleitet hat, in meinem Prozess. Irgendwie taucht der Gedanke auf, das alle Menschen diesen Weg gehen, wenn sie sich ihren Themen und Ängsten stellen. Einen ganz lieben Gruß

    • Nicole Paskow sagt

      Liebe Heike, im Hier und Jetzt ist grundsätzlich zwar alles in Ordnung, ja… es kann aber auch
      als Gefühl etwas nicht in Ordnung sein. Wenn ich das in Ordnung sein lasse, also annehme, dann ist es
      wieder in Ordnung…
      Und ja, ich sehe es auch so, dass es nicht ohne Schmerzen geht. Schmerz ist ein großes Tor, wenn man durch geht.
      Das kann man nicht immer. Das ist auch okay. Bis es eben geht.
      Danke für Deinen Kommentar. Nicole

  2. Liebe Nicole,
    Ich lese Dich nun schon seit vielen Monaten. Ich bin dankbar und es begeistert mich, dass ich Deinen wundervollen Weg in das Leben seit Deinem Kongress anhand Deiner Beiträge verfolgen darf.
    Und wieder kann ich nicht anders als Dir voller Freude zu diesem erneuten Beitrag zu gratulieren.
    Du beschreibst diesen scheinbar so langwierigen und schmerzvollen Weg des Sterbens – bei mir war es der selbst gewählte Weg der „öffentlichen Kreuzigung“ – so liebevoll und mitmachend, dass niemand, der wirklich will, sich diesem zauberhaften Bann entziehen können sollte.
    Und doch!
    Ich begegne in meinem Leben ganz vielen Menschen, die ich so gerne mitnehmen will auf dem Weg in die eigene Großartigkeit, die jedoch auf dem Weg dorthin immer wieder zweifeln – und sogar aufgeben.
    In diesen Situationen ist es dann erneut wie Sterben, wenn ich diesen geliebten Menschen ihren eigenen Weg im eigenen Tempo erlauben darf, um festen Schrittes auf meinem Weg voran zu gehen.

    Danke, dass es Dich gibt in Deinem gelebten Mitfühlen und in der Liebe zu Allem-was-ist.

    Michael

  3. Margret sagt

    Liebe Nicole,
    Dein Artikel ging mitten ins Herz.
    Ich habe es genauso erlebt…wenn man drinsteckt kann man sich nicht vorstellen wohin der Weg führen kann…Transformation…
    Frieden und Neubeginn in nie gekannter Weise.
    Danke und herzliche Grüße

  4. Liebe Nicole

    Wenn ich in den News lese, dass du einen neuen Text veröffentlicht hast, beginnt ein kleiner Prozess in mir ;-). Ich freue mich, bin gespannt auf den Text und gleichzeitig spüre ich eine Unruhe. Ich weiss, dass du mich immer berührst und irgendwelche Stellen in mir triggerst. Nie weiss was kommt 🙂
    Ich gebe mich dann den Worten, den Bildern hin und bisher ging die Berührung jedesmal so tief, das die Tränen kommen.

    So auch heute – Ich habe ehrlich noch nie so ehrliche authentische Texte in meinem Leben gelesen, wie von dir.

    Deine Worte verbinden uns und lassen uns gemeinsam fühlen – auch Schmerzen – jeder für sich und trotzdem verbunden. Du bist ein Geschenk

    DANKE

  5. sylvia sagt

    Liebe Nicole
    Es tut mir gut deine Zeilen zu lesen, denn ich befinde mich seit drei Jahren darin. In allen Lebensbereichen hat die Veränderung Einzug gehalten. Und doch spüre ich das es irgendwie weicher wird, einsichtiger im Loslassen, so als zieht mich ein innerer Sog immer weiter.
    Immer wieder frage ich mich was ich denn nur machen könnte um finanziell wieder auf die Füße zu kommen? Vielleicht ist es so wie du es beschreibst, und der Apfel fällt mir in den Schoß wenn er reif ist. Ich danke dir für diesen bereichernden Text.

    • Nicole Paskow sagt

      Liebe Sylvia, die Frage, die ich stellen würde ist: Willst Du in erster Linie finanziell auf die Füße finden,
      dann bist Du vermutlich, was die Tätigkeit anbetrifft, flexibel und es gibt viele Möglichkeiten. Oder willst Du mit dem, was Dir liegt
      Geld verdienen? Dann ist die erste Frage eher, was liegt Dir so sehr (am Herzen), dass es Dir egal ist,
      ob Du dafür Geld bekommst, weil die Tätigkeit an sich schon so bereichernd für Dich ist…?

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