Blicken wir der Existenz bis auf den Grund, wird deutlich, wie sich das Eine in der Zweiheit gegenübertritt. Das Leben bringt sich selbst hervor, um sich durch die Begegnung als „Ich“ mit dem „Du“ zu entdecken und zu lieben.

Existenz braucht einen Hintergrund, der selbst nicht hervortritt, um sich zu manifestieren. Damit Du mich sehen kannst, muss ich mich von Dir unterscheiden. Beide sind wir eingebettet in den einen Geist als dessen unendlicher Ausdruck. Dualität als Grundlage und Bedingung aller Erscheinungen, ist ein unentrinnbares Prinzip des Lebens. Das Eine kann nicht ohne das andere existieren.

Und doch versuchen wir immer wieder uns selbst, das Leben und alles, was wir erfahren, auf eines zu reduzieren. Auf das Angenehme, das Attraktive, das Lichte, das Leichte und wollen alles Schwere, Schmerz- und Angstvolle, alles Leid aussparen.

Wir sind nicht bereit zu erkennen, dass das Eine nicht ohne das Andere erscheinen kann. Und solange wir nicht bereit sind, uns selbst in all unseren menschlichen Erfahrungsräumen zu erleben, können wir auch nicht darüber hinausgehen und die in sich selbst ruhende Unteilbarkeit, innerhalb derer alles erscheint, in uns als Innerlichkeit   realisieren.

Solange wir uns von allem Dunklen in uns abspalten, können wir das Licht unseres Wesens nicht erfahren. Wir verlieren uns in Starrheiten, die nichts mit uns zu tun haben, wir vermissen Leichtigkeit, die nicht erscheinen kann, wenn wir die Schwere in uns verachten.

Wir stopfen unsere emotionalen Keller mit dunklen, ungewollten Gefühlen voll, und verschließen die Tür unseres Bewusstseins davor. Wir sammeln und häufen Emotionen und Geschichten an und werden immer schwerer, der Fluss des Lebens ist gestaut. Wir erfahren Blockaden, Ängste, Schwierigkeiten …

Die kollektive Dressur, die zum Ziel hat, uns von Kindesbeinen an, zum Wohle anderer Menschen, von uns selbst absehen zu lassen, ließ uns unser wahres Selbstgefühl verlieren. Doch es ist jenes Selbstgefühl, das die entscheidende Orientierung bietet, für ein Leben, das uns nah ist, uns berührt und uns führt.

Die Einheit in mir selbst zu realisieren bedeutet einen freien Raum in mir zu erschaffen, in dem alles, was in mir erscheint, in unendlicher Offenheit auftreten kann. Ich durchschaue die Mechanismen, die mir ein Weltbild vorgaukeln wollen, in dem alles geregelt ist und seinen festgelegten Sinn hat. Ein Weltbild, an dem ich mich zu orientieren habe,
wenn ich überleben will.

Dieses Weltbild hat schon längst ausgedient, nämlich mit dem Ende meiner Kindheit.
Sobald ich mir selbst Heimat bin, erfahre ich die Welt mir selbst gemäß. Ich bewege mich sicher in einem äußeren Raum, der mir nah ist statt fremd und feindlich, weil ich ihn nicht mehr objekthaft begreife.

Wenn ich aufhöre mich selbst als Objekt, als Ding, als Etwas zu begreifen, das ich von außen betrachten kann, um es zu bearbeiten, dann trete ich in mich ein. Hier offenbart sich ein Innenerleben, das sich als zuverlässiger Kompass erweist. Als mein Kompass, navigiert er mich sicher durch mein Leben.

Hier brauche ich keine äußerliche Orientierung. Ich folge meinem Gefühl, das frei ist von Vorstellungen und Ideen „über“ mich. Es fühlt sich selbst und läuft von dort aus in sich selbst hinein.

Wenn in diesem Raum Begegnung mit einem „Du“ stattfindet, tanzen zwei freie Wesen in einer Augenblicklichkeit, die niemals endet. Hier ist es lebendig, hier ist alles möglich. Wohingegen Schuld, Forderungen, Anbindungen, Verletzung und Schmerz, ein direkter Ausdruck der Abwesenheit von Selbstgefühl sind.

Wenn ich mich selbst fühle, werde ich den Finger nicht mehr nach draußen strecken. Ich werde fühlen, was ich fühle und mich ausdrücken. Der andere fühlt, was er fühlt und drückt es aus. Wir zeigen uns einander in tiefer Offenheit. Hier gibt es keine Schuld. Hier findet Begegnung statt.

Aus dieser Begegnung heraus, gestaltet sich Beziehung von selbst. Zwei unterschiedliche Wesen vereinen sich in tiefer Resonanz zu einer Erfahrung, die nicht festgelegt ist. Wir fallen im Nichtwissen in uns hinein. Hier ist die maximale Orientierung. Und hier ist Leichtigkeit, auch wenn es nicht immer leicht ist.

Hier ist die Aufzeichnung des Webinars zum Thema „Ich und Du“. Darin sprechen Daniel Herbst und ich darüber, was echte Begegnungen ausmacht und wie wir aufhören können, der ersten Beziehung unseres Lebens auszuweichen: Der Beziehung zu uns selbst.

 

8 Kommentare

  1. Katrin Heinen

    … total schön, euer Austausch. Da ist so viel drin. Ganz langsam fange ich an, fühlend zu erfassen, was dieses ‚Zu mir kommen‘ meint. Und damit zu experimentieren. Das freut mich grade so sehr …

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    • Nicole Paskow

      Das freut mich auch, liebe Katrin! Ja, es offenbart sich ganz langsam – durch die
      Zuwendung zu Dir. Je stärker sie ist, um so deutlicher wirst Du vor Dir selbst und
      beginnst Dich von Innen heraus zu fühlen.
      Herzlich, Nicole

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    • Anna unterweger

      Das Webinar ist sehr interessant. Euer Austausch ist herzlich u. Ganzheitlich. Danke euch Liebe Grüße.

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      • Nicole Paskow

        Danke Dir, Anna!

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  2. Heike

    Auch ich muss sagen, das Euer Austausch auf mich trifft ….hier kommt es an….in den Momenten spüre ich die Wahrheit. Mich erfreut Daniels Ausdruck und die Kraft, Zärtlichkeit, und Freude die ich dabei erlebe. Das Kätzchen, jetzt das Eichhörnchen, und es zaubert mir immer ein Lächeln aufs Gesicht….! Euer Zusammenspiel im Interview ist sehr schön und berührend! Ich entdecke mich durch Euch geführt immer mehr….Lieben Dank

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    • Nicole Paskow

      Liebe Heike, wie schön! Das Leben kommt nah, wenn es „zu sich kommt“ und erkennt sich
      in ALLEM wieder! In Eichhörnchen, Kätzchen, Vögeln, Bäumen, Dem Wind, den Wolken, dem Regen …
      Es ist alles ganz direkt es selbst und wird offen-sichtlich, wenn der be- und verurteilende Verstand einsieht, dass er
      diese direkte Berührung verhindert. Es ist schön, dass Du Dich „von Dir selbst“ berühren lässt.
      Herzlich, Nicole

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  3. Gerald

    Es gibt Berührungspunktefür MICH, die sich für mich entfalten – euch gemeinsam zu erleben, wie ihr euch einbringt – und es ein gemeinsames Erkennen ist. Das Eichhörnchen ist eine gute Metapher für das sich selbst erleben, ohne Ansprüche, ohne Vorgaben – es springt von Ast zu Ast ohne darüber nachzudenken. Daniel, du hast es mit dem schillernden Vogel gut beschrieben – einfach dazu stehen. Ich beginne es sicher spät, aber jetzt ist es mir möglich.danke für die vielen Anregungen – vieles wird nachwirken. Habt lieben Dank für euer Tun.

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    • Nicole Paskow

      Danke Dir Gerald für den Kommentar! Es ist wirklich schön, dass Du beginnst Dich Dir selbst zu erlauben!
      Herzlich, Nicole

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