Einssein mitten im Leben - Anhören

by Nicole Paskow von Radical Now

Eine Spiritualität, die das alltägliche Leben der Erscheinungen zur Illusion erklärt, sich der Jenseitigkeit zuwendet und dabei auf einer Unberührbarkeit besteht, um das Leben als ego-freier „Zeuge“ authentisch zu repräsentieren, ist lächerlich. Ein trauriger Witz. Eine angstvolle Flucht vor Berührbarkeit.

Die Prinzipien des Lebens sind vollkommen. Sie sind in sich geschlossen und ausnahmslos. Sie sind für jeden Menschen, der reif und damit bereit ist hinzusehen und zu fühlen, erfahrbar. Vollkommenheit bedeutet die Integration aller Gegensätze. Das männliche und das weibliche Prinzip fallen in der Vereinigung genauso in Eines zusammen wie Geist und Materie.

 Jede Ausdifferenzierung zerfällt pausenlos in Nichts, um wieder in der Erfahrung aufzuerstehen.

 

Geist und Materie sind eins

Geist und Materie treten nur zusammen in Erscheinung. Das Eine ist im anderen enthalten. Beide verlieren ohne einander ihre Potenz.

Will ich mich nun als Bezugspunkt namens „Ich“ aus dem Leben erklären, weil ich mich als Illusion erkenne, verkenne ich, dass die scheinbare Illusion das Einzige ist, was sich durch mich als Bezugspunkt erfahren lässt. Geistig und körperlich. Ja. Es ist zwar richtig, dass das Leben nicht das ist, als was wir es allgemein wahrnehmen. Aber eines ist es sicher nicht: 
Eine Einseitigkeit.

Kurz gesagt, projizieren wir uns selbst in einen virtuellen Raum, in dem es nichts als Wahrnehmung gibt, die sich in anderer Form durch die Spiegel ihrer Erscheinungen begegnet. Die Konsequenz dieser Realisation ist ein freies, tief mit sich selbst verbundenes Leben. Es wird zu einem Spaziergang durch Dich selbst in der unergründlichen Herrlichkeit des Mysteriums.

Einfacher zugänglich ist es zunächst jedoch, im eigenen Leben zu überprüfen, wie sich die Prinzipien von Anziehung und Abstoßung, von Sein und Nichtsein verhalten. Hier, im Leben, wie es sich uns vor der Nase zeigt, können wir, als realisiertes Bewusstsein, alles ablesen, was für ein integriertes Leben notwendig ist.

Du begegnest Dir immer selbst

Alles, was uns im scheinbaren Außen begegnet, ist ein Wiederhall unserer inneren Glaubensmuster und unserer geistigen Verfassung, weil jedes „Ich“ der Ort ist, an dem sowohl empfangen als auch gesendet wird. Bewusstsein ist die alles vereinende Kraft, in deren Stille und Gleichmut alles in „materielle“ Erscheinung treten kann, was als Idee im geistigen Raum auftaucht. Hier kann ich sehen und erleben als die Instanz, die Bewusstsein durch mich ist.

Wenn ich mich ganz in die alltäglich erfahrbare Welt begebe, so kann ich deutlich erkennen, dass ein einseitiges Erleben des Lebens, ohne die spirituelle, also die geistige Integration der Dimension dessen, was mir als Mensch zugrunde liegt, leer und sinnlos erscheint. Hier kann ich angstvoll, isoliert, einsam und depressiv sein. Hier kämpfe ich (gegen mich selbst) und strenge mich bis zur Erschöpfung an.

In dieser Einseitigkeit bin ich abgeschnitten von der Lebenstiefe, die mir das, was ich als alltägliche Welt der Erscheinungen erlebe, erst nahebringt. Die mich in Verbindung treten lässt mit dieser Welt und mir als Bewusstsein erst einen „Körper“ gibt, um zu erfahren, was Bewusst-Sein überhaupt bedeutet.

 Oberfläche ohne Tiefe

Oberfläche ohne wahrgenommene Tiefe ist sinnlos und leer. Hier fühle ich mich immer wieder überschwemmt und orientierungslos, wie ein Ruderboot ohne Ruder auf offener See.

Auf der anderen Seite schneidet mich das Verschwinden in der rein geistig-abstrakten Dimension dessen, was der Welt der Erscheinungen als Matrix zugrunde liegt, von meinem Gefühl für mich selbst und die Dinge ab. 

Ohne dieses Gefühl wird es kalt, unverbunden und unnahbar. Hier, in dieser bewussten Gefühllosigkeit bleibe ich abgeschnitten von der Tiefe der Erlebnismöglichkeiten des Lebens. Hier scheue ich mich vor Berührung, die mich, als Präsenz, überwältigen und in eine Haltlosigkeit stürzen könnte, vor der ich mich fürchte. Hier erkenne ich nicht, dass ich erst voll-ständig werde, wenn ich mich als Intelligenz in die Liebe erlöse.

Der Weg der Integration führt durch mich durch. Er führt durch jeden Menschen durch. Du bist das Tor zur Realisation von Bewusstsein. Und zwar Du in der gerade aktuellen Version Deiner selbst. Egal auf welchem Bewusstseinsstand Du jetzt gerade bist, Du bist das Tor zu Dir selbst in freier Form.

 Das Feld der scheinbaren Widersprüche 

Einssein realisiert sich in Dir als Du – wenn Du bereit bist, alle scheinbaren Widersprüche in Dir nebeneinander stehen zu lassen. Wenn Du bereit bist den Drang aufzugeben, Dich mit ihnen zu beschäftigen, in dem Du über sie nachdenkst und sie bewertest. Indem Du bereit wirst entkoppelt zu sehen, was in Dir vorgeht, ohne dabei die Verbindung zu Dir als fühlendes Wesen zu verlieren.

Indem Du bereit wirst Offenheit zu realisieren, also zu ver-wirklichen. Offenheit ist der Zoom aus Deinem Denk- und Gefühlssystem, der Dich sehen lässt, was in Dir als Erfahrungsraum stattfindet.

Hier begegnen Dir Deine Missgunst, Deine Kleinheit, Deine Bedürftigkeit, Schwäche und Verlorenheit genauso wie Deine Schönheit, Einzigartigkeit, Größe und Kraft. Du bist das Bewusstseins-Feld, auf dem alles blühen darf. Wenn Du Dich als dieses Feld erkennst, realisierst Du diese Offenheit, von der ich spreche.

Bedingungslose Liebe

Und diese Offenheit wandelt sich zur bedingungslosen Liebe für Dich, weil Du erkennst, dass es um die Erfahrung von Kleinheit, Größe, Einzigartigkeit, Gefühl, Hilflosigkeit, Kreativität usw. geht. Weil Du erkennst, dass all dies Dich nicht zu Ende beschreibt, weil Du größer bist als all das.

Dann verlierst Du Dich (als stille, offene Aufmerksamkeit) nicht mehr in den negativen Gedanken über Dich, die Dir all die traurigen Gefühle bescheren. Dann verstehst Du, dass ausnahmslos jeder Gedanke, den Du über Dich denkst, eine Trennung von Dir als integriertes Erleben bedeutet.

Du erfährst Dich einfach. Wenn Du Entdecker/in bist, wenn Du wissen willst, was noch alles möglich ist, wird Dich Deine Neugier und Liebe in ein intensives, nahes Leben führen, in dem nichts ausgeschlossen wird, was Du als Erfahrungsfeld erlebst.

Hier verwirklichst Du Dein Einssein mit Dir selbst als sich ständig wandelnder Lebensstrom, der nichts anderes tut, als sich in Erfahrung zu bringen, in dem er sich selbst in offener Hingabe sehend folgt und fühlend er-lebt. Dazu musst Du nicht weltfremd werden.

Die Stille im äußeren Raum, die als Lebenswirklichkeit empfohlen wird, ist nur ein Hinweis auf die innere Stille, die sich als Schweigen der Meinungen und Ideen über das Leben und Dich selbst, in Dir äußert.

Und das geht prinzipiell mit Familie, mit Kindern, vollkommen allein, das geht hetero, schwul, als Punk, als Poet, als Klofrau, Bürohengst, mit Job, ohne Job, reich oder arm …

 Es geschieht mitten im Leben, das sich selbst fühlt und um sich selbst weiß.

 In Verbundenheit, Nicole

14 Kommentare

  1. BeaBea

    upps, ich glaube ich unterliege noch einer Menge Konzepte und spiritueller Verwirrtheiten und …ich fühle mich abgeschnitten von dieser Lebenstiefe.
    Und ja, mir ist klar, dass ich das Tor zu mir selbst bin, nur leider habe ich keinen Schlüssel … aber dein Text rührt gerade in mir, speziell der Abschnitt Feld und bedingunsglose Liebe …

    Nur, liebe Nicole, wie gehe ich damit um, wenn ich deine Worte z.B. nicht verstehe, sie sich vom Herzen richtig anfühlen, ich aber nicht weiß, wie ich beides (Herz und Verstand) zusammenbringe, letzendlich erkenne, wahrhaftig erkenne. Ok. freue mich über unser Gespräch. Liebe Grüße Beatrice

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    • Nicole Paskow

      Ja, genau,lass uns gemeinsam hineinsehen und hineinfühlen! Im Gespräch lässt es sich einfacher und direkter
      erfahren, was damit gemeint ist, anhand Deiner individuellen Situation.

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  2. Almuth

    Dein kraftvoller Text, liebe Nicole, inspiriert mich diesmal besonders. Genau dieses Thema mit deinen Ausführungen bestätigen mein derzeitiges Erleben.
    Die Gegensätze im alltäglichen Leben bewusst zu ERLEBEN , macht für mich jetzt (vor einer Weile war das noch ganz anders )das Leben so wertvoll und spannend. Schmerz, (besonders der nicht physische )ist so bereichernd ,wenn er nicht isoliert wird und hat seine besondere Qualität ,wenn er aus dem Unbewussten hervorgeholt wird (so, als wartet er da um abgeholt zu werden ) und ich ihn spüre, ohne davon überschwemmt zu werden ,
    wie du es so schön im letzten Video demonstriert hast, mit dem Wasserglas. ..!
    Auch wenn es nicht immer gelingt, ich weiß, ich habe es schon erlebt . ! Und die große Bedeutung von innerem Stillhalten,ohne Zwang, ohne dieStille festhalten zu wollen , eher Hingabe …Wie schön , dass ich DIESE Verbundenheit mit anderen Menschen spüren kann !!Zum Beispiel auch durch deinen Artikel! Herzlichst , Almuth

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    • Nicole Paskow

      Liebe Almuth, den Schmerz spüren, ohne von ihm überschwemmt zu werden! Ja, genau das meine ich!
      Er und seine Information, seine „Botschaft“ an Dich, enthüllt sich Dir erst, wenn das gelingt. Und dann verschwinden Widersprüche als solche,
      weil es nur noch das Erleben gibt, das sich selbst in unterschiedlichen Temperaturen wahrnimmt.
      Mal heiß, mal kalt, mal lauwarm, mal überschäumend, mal still … Durch Deine Erlaubnis aller
      Temperaturen, erlebst Du Dich …
      Danke, für Deinen schönen Kommentar!

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  3. Heike

    Hallo liebe Nicole, Deine Worte sind wahr.Und dennoch habe ich es auch erlebt, das ich mich aus dem Raum erklärt habe. Der denkende Verstand ist so mächtig, und es braucht Zeit und wirkliche Hingabe ihn zu durchschauen. Immer wieder gegen die Wand zu laufen, sich immer wieder in neue Konzepte zu verstricken, ich glaube, das das der „ Weg“ ist. Und: wenn ich das schreibe, könnte irgendein spiritueller Verstand schreien: es gibt keinen Weg! Ich habe immer wieder Mut und den Willen gehabt, mich auszuhalten, meine Gefühle zu fühlen, und zu sehen, was sich da denkt. Und dazu ist es wichtig, immer weiter zu suchen, bis „ das“ gefunden wird……was da sucht….! Du hast das Glück gehabt, auf einen spirituellen Lehrer zu treffen, der eine unglaubliche Klarheit hat, und wie ein Chirurg ( das habe ich in einem Interview mal gehört . Du sprichst in seiner Sprache, ich mittlerweile auch . Aber: damit das wirklich verwirklicht wird, muss man die Offenheit erst einmal haben, damit das Gesagte: als Wahrheit anerkannt wird, und Einlass findet. Es ist ein Prozess…..wenn es „ dran“ ist, kommt es zu sich…..

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    • Nicole Paskow

      Liebe Heike, ich habe das Glück gehabt, dass meine Bereitschaft zum offenen Zuhören stark genug war (und ist),
      um diesen spirituellen Lehrer, mit dem ich in direkter Resonanz bin, wirklich zu „hören“.
      Ich spreche sicher nicht in seiner Sprache.
      Ich spreche aus der Klarheit, die durch mich durch kommt.
      Und das ist ein stetiger Prozess des Aufdeckens.
      Es ist das Vertrauen in „Dich“, als Bewusstsein, das Dir zugrunde liegt, das Dich zu Dir führt.
      Herzlich, Nicole

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      • Heike

        Hallo liebe Nicole, da ist ein Nichtverstehen in meinem System im Kontext mit Dir. Wahrscheinlich würdest Du mich fragen: wie es sich anfühlt, nicht verstanden zu werden. Meine Worte kommen anders an oder werden anders interpretiert……es ist eine gute Erfahrung und ich habe etwas gelernt!

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        • Nicole Paskow

          Liebe Heike, „Meine Worte kommen anders an oder werden anders interpretiert“,
          ist das nicht oft so? Wie können wir wissen, ob wir jemanden verstehen oder nicht?
          Wir können immer nur sehen, was das, was wir vom Anderen verstehen mit uns macht.
          Oder eben auch das Missverstehen. Oder das missverstanden werden.
          Alles ist immer ein Hinweis auf Dich.
          LG Nicole

          Antworten
  4. Sabine

    Yes!!! Ein High-Five für das Leben mit allen Sinnen und Aspekten! Genau das spricht mich an Dir an, Nicole, dass Du dem Leben in seiner unendlichen Vielfalt nie den Rücken zukehrst.

    Meine Erfahrung ist übrigens, dass ich tatsächlich die Bereitschaft brauche, mich überschwemmen zu lassen im Vertrauen, dass ich – genau wie bei einem Sprung ins Wasser – wieder an die Oberfläche steige und frei atmen kann, wenn ich mich nicht wehre. Solange die Angst vor dem Überschwemmt-Werden noch da ist, bin ich im Widerstand.

    Alles Liebe
    Sabine

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    • Nicole Paskow

      Liebe Sabine, ja! Für sich selbst sehen, es im eigenen Leben überprüfen und nicht einfach
      etwas mental übernehmen, sondern eigene Erfahrungen machen: Das sind direkte Schlüssel in die Tiefe,
      zu Dir selbst.

      Danke für Deinen Kommentar! LG Nicole

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  5. Margret Giloi

    Liebe Nicole

    Vielen Dank für den heutigen Text.
    Obwohl ich mich im Webinar: Der befreite Mensch von Deinen Fragen und Worten im Zusammenspiel mit Daniel zu 100 % verstanden und erkannt fühlte ,gibt es bei den Blogs andere Gefühle und Reaktionen.
    Ich vermute bei mir ein Autoritätsproblem
    Ich bin leider zusammengezuckt ,als Du von blutleeren Menschen sprachst die über Konzepte mit Dir in Kontakt treten möchten. Mir bedeuten Konzepte wohl auch noch etwas und ich fühlte mich betroffen.
    Mit Daniel und Dir gemeinsam fühl ich mich wohler wie bei Deinem
    Alleingang Sorry.So freue ich mich auf ein weiteres Webinar.

    Liebe Grüße

    Margret

    Antworten
    • Nicole Paskow

      Liebe Margret. Natürlich freue ich mich, wenn Du Dich verstanden fühlst.
      Aber mein Anliegen ist das nicht. Ich drücke mich aus. Das ist alles.
      Damit ist jemand in Resonanz oder eben nicht.
      Und sich „betroffen“ fühlen ist immer eine Möglichkeit tiefer zu gehen.
      Sich wohl zu fühlen ist schön, bringt einen aber manchmal nicht weiter.
      Die Frage ist immer, was man wirklich will.
      Herzlich, Nicole

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      • Margret Giloi

        Danke Nicole ,ich verstehe wie Du es siehst.Damit kann ich gut sein. Werde
        es wirken lassen.
        Obwohl auch dies nicht Deine Intention zu sein scheint.

        Du drückst Dich aus ohne Absicht etwas bei anderen zu bewirken.

        Liebe Grüße

        Margret

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  6. yamahela/Armin

    Die Erfahrungen des Einsseins kann man im Grunde nicht teilen – oder vielleicht doch.?! eine provokante Frage – wo die Antwort darauf schon hervorlugt.. Eins mit den Prämissen der Welt bedeutet: Schutzmantel aufgeben und sich geläutert – fortschreitend zu bewegen. Aber das sind eigentlich nur Worte.; unverstanden,- wenn nicht gelebt..

    Deinen/euren Blog finde ich gut.; obwohl ich bisher nur in „erstkontakt.wordpress.com“ Kommentare verfasste.

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