Egotod - Anhören

by Nicole Paskow von Radical Now

Es gibt so viele Ideen darüber, was der Tod des Ego sein soll.
Das Problem dabei ist, dass derjenige, der darüber nachdenkt, sich selbst nicht als die Instanz wahrnehmen kann, die gemeint ist. Das Ego selbst denkt über seinen Tod nach und was das schreckliches bedeuten könnte.

Ego ist nichts anderes als ein Schutzmechanismus, der ein Nervensystem behüten will, das sich in ständiger Unsicherheit wähnt und dadurch in einem andauernden Überlebensmodus läuft.

Dieser Modus diktiert die Abgrenzung von anderen Nervensystemen, da sie als potenziell gefährlich für das eigene System gewertet werden. Diese Einschätzung fand zu einer Zeit statt, die längst vorbei ist. Wir leben also aus einem veralteten System heraus.

Wir brauchen ein System Update

Was wir dringend benötigen, ist ein komplettes System-Update. Eine Neukonfiguration. Unser Nervensystem wurde als Verzerrung seiner ursprünglichen Möglichkeiten geformt, was nicht verwunderlich ist, denn verletzte Systeme können keine gesunden Systeme hervorbringen. Kranke Körperzellen werden nicht dadurch gesund, dass sie mit anderen kranken Zellen kommunizieren. Hier kann keine neue Information ins Feld geführt werden.

Wir brauchen aber neue Informationen, um uns neu einstellen zu können.

Einfacher gesagt: Wir haben Angst voreinander, weil wir früh gelernt haben uns auf eine Weise an unsere Umgebung anzupassen, die uns Sicherheit versprach. Auch wenn wir rebellisch waren und unangepasst, war das eine Anpassung, die uns Aufmerksamkeit – und somit wiederum Sicherheit gegeben hat.

Wir haben Angst uns so mitzuteilen, wie wir sind. Diese Angst bestimmt unser Leben. Diese Angst lässt uns in Konstrukten leben, die wenig mit unserer inneren Wirklichkeit zu tun haben. Und diese Diskrepanz im Inneren äußert sich als Disharmonie im Äußeren. Missverständnisse, Konflikte, Rückzug, Einsamkeit und Isolation sind die Folge.
Und wir wissen nicht, wie wir uns aus diesen Konstrukten befreien können.

Direkter Kontakt

Die wirkungsvollste Möglichkeit die Substanzlosigkeit der Angst zu entdecken und damit das Ego aufzulösen, ist in direkten Kontakt zu gehen. Auszusprechen, was Du wirklich fühlst, im Kontakt mit einem anderen Menschen. Hier kommst Du in Dein natürliches Fließen, wenn nichts mehr zurückgehalten wird. Wenn es sich traut, sich zu äußern.

Es kommt zu einer Aktualisierung der Informationslage: Es ist nicht lebensgefährlich mich aus mir selbst heraus zu äußern. Zu sagen, wie ich mich wirklich fühle. In der Kindheit hat es sich so angefühlt, weil wir in unserem Selbstausdruck nicht wahrgenommen bzw. korrigiert wurden. Doch das ist vorbei. Es ist nicht mehr aktuell. Wir müssen neue Erfahrungen machen.

Das angstvolle Ego löst sich in Nähe auf. In der Verbundenheit. In der Distanzlosigkeit einer Innerlichkeit, die in Berührung mit dem Äußeren findet und zu einem Erleben einschmilzt.

Du bist so lange zu zweit in Dir und damit gespalten, so lange Du etwas von Dir zurückhältst, das eigentlich ausgesprochen werden sollte. Dein natürlicher Selbstausdruck wird von der Angst überlagert, vernichtet zu werden, sobald Du ihn kommunizierst. Und dabei geht es nicht darum negative Gefühle auszuagieren. Es geht nicht darum zu wüten, zu toben, zu verletzen.

Die Verletzung ausdrücken

Es geht darum die innere Verletzung ehrlich auszudrücken: „Ich bin verletzt. Es tut mir weh. Ich bin unsicher, ich weiß nicht weiter. Ich vermisse Dich. Ich brauche Dich. Ich bin nicht so stark, wie ich vorgebe. Ich habe Angst, dass Du mich verlässt, wenn ich schwach bin. Ich habe Angst, dass Du gehst, wenn ich Dir zeige, wie sehr ich Dich brauche …“

Oder: „Ich brauche Raum für mich. Es macht mich wütend, mich verantwortlich zu fühlen. Ich muss auch allein sein dürfen. Ich will machen, was ich will, ohne immer gleich Rechenschaft abgeben zu müssen. Ich brauche das, um zu Dir zurückkommen zu können …“

Wir können lernen, dass die Bedrohung, die wir empfinden, wenn es darum geht uns wirklich zu zeigen, nicht real ist, auch wenn sie sich so anfühlt.

Es gibt so unzählige Wahrheiten über uns selbst, die wir zurückhalten, um scheinbar nicht zu verletzen, doch in Wirklichkeit haben wir Angst vor der eigenen Vernichtung.  Und nochmal: diese Angst war einmal real. Doch heute hat sie keine Grundlage mehr. Und diese Erfahrung müssen wir machen, um endlich in einen Raum eintreten zu können, der uns Raum gibt zu sein.

Der uns erkennen lässt, wie schön und tief die innere und damit äußere Verbindung wirklich ist, wie heilsam und sicher sie sich anfühlt. Und dass sie nur dann entsteht, wenn wir mit uns übereinstimmen, uns also ehrlich ausdrücken. Die eigentliche Frage, die wir uns stellen müssen ist: Wie sehr will ich die Wirklichkeit erfahren? Habe ich wirklich genug von den alten Empfindungen, die mich in einer gewohnten Welt halten, die mir keine Möglichkeiten lässt? 

Schenke Ehrlichkeit

Wenn wir unsere Ehrlichkeit schenken, wenn wir uns unserer größten Angst stellen, kommen wir in jenes Fließen, das uns aufgehen lässt in diesem Fluss. Es lässt uns aufgehen und eingehen in unser So Sein, das sich dann ganz von selbst transformiert.  Das ist der Sprung vom 10 Meter Turm, den wir wagen müssen.

Dafür braucht es natürlich zunächst einen sicheren Rahmen. Es braucht eine Umgebung, in der Du Dich sicher genug fühlst, wirklich mal zu springen, zu wagen auszusprechen, was Dir wirklich auf der Seele liegt. Und zwar schon so lange.

Wenn Du diesen Rahmen nicht finden kannst, stehe ich Dir gern in meinen Online Sitzungen zur Verfügung. Oder Du machst eine Auszeit bei mir.

Oder Du verbindest Dich direkt mit Gleichgesinnten, in unserem 30-tägigen Online Kurs: „Der integrierte Mensch“, den Daniel Herbst und ich erstellt haben.

Hier sprechen wir über die Ursachen von Angst und Verlassenheit, über die Mechanismen des inneren Rückzugs und des unbewussten Angriffs. Wir vollziehen die Stationen eines integrierten Lebens. Eines Lebens, das aus sich selbst heraus, fühlt, denkt und handelt. Wir tauschen uns gemeinsam aus und begegnen uns in Offenheit, Respekt und Liebe.

Hier hat Deine Lebensenergie die Möglichkeit ins Fließen zu kommen. Wir erschaffen ein heilsames Feld der Nähe, das unsere natürliche, menschliche Grundlage ist, die jeder, der das will, in sich selbst wiederentdecken kann.

In Verbundenheit, Nicole

 

Wenn Dich der Artikel inspiriert hat, freue ich mich sehr über den Ausdruck
Deiner Wertschätzung mittels einer Spende. Vielen Dank!

5 Kommentare

  1. Bea

    Noch heute Morgen habe ich zu mir gesagt: Was hast du nur für ein großes EGO. Und dann kam die Frage, wer nimmt das gerade wahr???
    Ja, ich will die Wirklichkeit erfahren!!! Und ich habe den Mut, zu springen! Liebe Grüße …

    Antworten
    • Nicole Paskow

      Wie schön, liebe Bea, dass Du beim Kurs dabei bist! LG Nicole

      Antworten
  2. Anne

    Liebe Nicole.
    Danke, für diesen sehr nachvollziehbaren Text. In meiner Therapiestunde ging es heute genau darum. Das Ego aufgeben und die Angst zulassen. Danke!

    Antworten
    • Nicole Paskow

      Liebe Anne, vielen Dank für Deinen Kommentar, das freut mich!

      Antworten
  3. Telomeres Echo

    Danke

    Antworten

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Comments

comments