Gastartikel von Daniel Herbst

Wer nach dem Sinn fragt, ist schon wieder aus dem Erleben ausgestiegen und versucht einmal mehr, sich und die Welt „zu verstehen“. Doch das Leben ist die eine und einzige fortwährende Eröffnung, die sich nicht verstehen und damit auch nicht rekapitulieren lässt! Es ist an der Zeit, das einzusehen.

 
Von der Unausweichlichkeit des Seins
 

Du bist der Inhalt Deines Lebens. Und dieses Leben wartet schon seit Ewigkeiten auf Dich. Es wartet darauf, vorbehaltlos empfangen zu werden. Weil es sich nur erfüllen kann, wenn Du in Deinem Leben vollständig anwesend bist!

Du gehst mit Dir durch die Zeit und damit durch alle Zeiten, seien sie hell oder dunkel. – Bewusstsein erlebt sich selbst als das, was in ihm erscheint. Es ist eins mit seinem phänomenalen Erleben und nicht davon getrennt. Wenn sich das, was Bewusstsein ist, von seinem Inhalt trennt, endet die Welt der Erfahrungen – und damit endet alles Erleben.

Unentdeckt von sich selbst ist das Bewusstsein in eine Erfahrungswelt eingetreten, die sich in Deinem und als Dein Leben verwirklichen will. Dabei begegnet sich das, was Bewusstsein ist. Es geht mit sich selbst eine Verbindung ein – in der Du erscheinst und zum reinen Erlebensstrom „wirst“. Weil Du nichts anderes bist als das, was Bewusstsein ist.

Die Frage „Wer bin ich?“ und der Hinweis darauf, dass ich „weder dies noch das“ bin bzw. sein kann (neti, neti), versucht mich aus allen Verbindungen zu lösen, so dass ich am Schluss nur noch bin, „was ich bin“. Und genau hier stellen sich die entscheidenden Fragen:

Das Leben kann mit sich selbst kein Problem haben – wer hat es dann? Wer will nur noch sein, was er ist?

Wer ist nicht bereit, sich in und als Verbindung zu sich selbst und der Welt zu erleben? Als dieser Mensch, mit diesem Erleben? In seiner ganzen Kleinheit und Größe, mit allen Gefühlen und Gedanken? In dieser unglaublichen Schönheit und in diesem manchmal kaum auszuhaltenden Schmerz?

Das wäre, als sagte das Mehl im Brot: Ich bin nicht das Brot. Ich bin nur das Zugrundeliegende. An diesem Punkt möchte sich das Mehl dem entziehen, womit es verbunden ist. Es versucht, sich als die Reinheit des Mehls zu entdecken. Es will die Reinheit des Mehles verwirklichen.

Weil es sich vom Brot drumherum bedrängt zu fühlen glaubt.

Daran muss es scheitern. Weil es dann nichts ist als Mehl. Immer nur Mehl. Eine Wüste aus Erfahrungslosigkeit. Kein Brot. Keine Verbindung. Es kommt zu nichts, wozu es des Mehls überhaupt bedürfte!

Die Reinheit des Mehls gibt sich hin. Wenn es sich entzieht, können sich der Duft und Geschmack des Brotes nicht verwirklichen. Doch die wahre Sehnsucht des Mehls besteht darin, über sich hinauszufinden. In ein „solitaires Brot“. Das ganz eins mit sich ist. In dieser und als diese Verbindung! Mit Kruste und zartem Innenleben.–

Du bist kein isoliertes Partikel. Sondern die Brücke des Lebens zu sich selbst. Das Leben ist in Verbindung! Dich selbst auf dem Boden der Tatsachen zu empfangen, das ist die Sehnsucht, die sich endlich erfüllen will …

1 Kommentar

  1. Bernd Bienentreu

    Ihr Lieben, danke für den Text. Zusammengedampft bleibt für mich nur…

    Kein Wiederstand

    – Thaddäus Golas –

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