Immer wenn es (scheinbar) um das physische Überleben geht, drohen wir hektisch und abgrenzend zu (re)agieren. Der Selbstschutz übernimmt das Terrain und treibt uns in die Enge. Psychisch und physisch. In solchen Situationen fällt besonders auf, wessen Führung wir uns anvertrauen. Es zeigt sich deutlich wessen Geistes Kind wir sind.
Was ist der Nährboden für Angst?

Ein Leben ohne inneres Zentrum. Ein Leben, das sich an der äußeren Meinung orientiert. Ein Leben, das woanders als in sich selbst nach Halt, Orientierung und Sinn sucht. Hier hat es die Angst leicht den Raum zu übernehmen. Und in der Angst sind wir alle gleich. Sie schnürt das Herz ein, sie fährt die Ellenbogen aus, sie grenzt sich ab.

Doch es ist nicht die Angst selbst, die uns hart, eng und verschlossen macht. Die unsere Möglichkeiten zu denken und zu fühlen und damit alternative Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, begrenzt. Angst selbst ist eine intelligente Funktion unseres Organismus. Doch unser Umgang mit ihr ist alles andere als intelligent.

Das Bewusstsein schränkt sich ein

In der Angst ist das Bewusstsein eingeschränkt. Das ist sinnvoll, um effektiv und deutlich auf eine Bedrohung reagieren zu können. Doch ineffektiv wird es, wenn wir in einer permanenten Angstanspannung leben, ohne eine direkte Bedrohung zu erfahren. Und das tun wir kollektiv und vollkommen ungesehen.

Der Ursprung davon liegt in unserer ausschließlich materiellen Sichtweise. Diese Sichtweise diktiert uns die Weite unseres Geistes und die Weite unseres Herzens. Je mehr wir daran glauben die Welt wäre etwas für sich allein Stehendes, das getrennt von uns selbst existiert, um so angstvoller muss sich unser System vor Fremdeinflüssen schützen. Dann gibt es Fremdheit überhaupt erst.

Grenzen in der Welt sind ein direkter Ausdruck für die Grenzen in uns selbst. Das unendliche Schachbrett aller Kategorisierungen in richtig und falsch und aller Differenzierungen darin, ist eine direkte Demonstration unserer dominanten Verstandesaktivität, die sich selbst Realität verleiht und damit aufrechterhält.

 Der Ursprung der Trennung

Die Trennung, die zur Angst führt, hat ihren Ursprung in Dir und in mir. In dem, was uns über uns und die Welt beigebracht wurde. Als uns erzählt wurde, es gäbe gute und schlechte Gedanken, gute und schlechte Gefühle, gute und schlechte Menschen. Weil wir beurteilt wurden nach unseren Gedanken und Gefühlen, nach unseren Taten. Wir wuchsen, als offenes Bewusstsein, bereits in ein sich selbst bestätigendes System hinein, das sich nie in Frage stellt.

So lernten wir die Einteilung in gut und schlecht, sinnvoll, sinnlos, nützlich, unnütz usw. So lernten wir die Angst vor dem angeblich schlechten Teil unserer Gefühlswelt und verbannten ihn in nicht beachtete und damit verschlossene Gebiete unserer selbst. Von dort wirkt er jedoch unsichtbar in vielen Verkleidungen und beeinflusst direkt unser Leben. Wir denken und handeln aus der ungesehenen Angst heraus.

Vor Gott sind alle gleich. Dieser Satz hat mich schon als Kind beschäftigt. Was bedeutet er? Sind alle Menschen unterschiedslos dasselbe oder liebt er alle gleichermaßen? Es ist ein Satz mit vielen Tiefendimensionen. Die hier passende lautet: In mir selbst dürfen alle Gedanken und Gefühle sein. ICH habe keine Angst vor ihnen, denn sie erscheinen IN mir. Ich erlebe sie. Sie sind, in (aller) letzter Konsequenz, was ich bin. Mein sichtbarer Ausdruck. Wir Menschen existieren, in Gott, als sein lebendiger Ausdruck. Oder weniger religiös gesagt: Wir Menschen sind der direkte Ausdruck von Bewusstsein selbst.

 Die unintelligente Angst verschwindet

Wenn wir es lernen die stillen Erlebenden unserer Gefühle zu sein, in der gleichzeitigen Wahrnehmung unserer selbst als die Erlebenden, verschwindet die unintelligente Angst.

Wir machen die Erfahrung, dass uns kein Gefühl wirklich überwältigen und auslöschen kann. Denn das, was wir sind ist nichts, was überwältigt werden kann. Es ist die Präsenz, die Anwesenheit, in der Gefühle auftauchen. Wir übersehen diese Präsenz nur permanent, weil die Gefühle selbst zu laut sind und die Gewohnheit zu stark, ihnen zu folgen, in sie einzusteigen und sie für die absolute Realität zu halten, an der wir uns orientieren.

Es geht darum, unser Bewusstsein aus der Kontraktion einer trennenden Sichtweise zu entkrampfen.

Zu lernen für all Deine Gefühle ein zu Hause zu sein. Dann entspannt sich etwas in Dir. Dann hast Du keine Angst mehr vor Deiner Angst und Deinem Schmerz. Du bist das Vertrauen selbst, in dem Angst und Schmerz sein dürfen, was und wie sie sind. Du lässt sie kommen und gehen, wie sie wollen. Hier wirst Du zum Garten Deiner Gefühle. So verschwindet die Trennung in Dir und Dein Zentrum erwacht. Deine innere Mitte, in der alles erscheinen darf, die in ihrer Ruhe dennoch nicht behelligt wird.

Die Ruhe in stürmischen Zeiten

Es ist ein subtiles, aber deutliches Gefühl. Das sich mehr und mehr verdeutlicht, je mehr Du Dich darauf besinnst. Es lässt Dich in stürmischen Zeiten die Ruhe bewahren und einen Schritt nach dem anderen gehen. Es sieht die angstvollen Gedanken, die eine bedrohliche Zukunft erspinnen und lässt sie, wie unwissende Kinder, einfach in Ruhe, denn es weiß ja. Es weiß um sich selbst.

Es ist hautnah bei allem dabei. Diese innere Anwesenheit ist das, was Dir Ruhe schenkt. Dann brauchst Du Dich von keiner Panik anstecken lassen, dann fühlst Du, was zu tun ist. Du bleibst bei Dir. In diesem Augenblick. Immer nur in diesem Augenblick. Hier verschwindet die Fremdheit in Dir selbst und zu dem, was Dir erscheint. Im Inneren wie im Äußeren erwacht Nähe.

Diese Nähe sieht durch Deine Augen und begegnet der Nähe, und sei sie noch so verschüttet, in allen anderen Menschen. (Natürlich schützt sie sich vor jeder direkten Bedrohung.) Denn sie ist immer da, auch wenn sie nicht gesehen wird. Diese Nähe zu Dir informiert dich direkt, ohne Umweg über die Gedanken, was zu tun ist und was nicht. Wohin Du gehst und wohin nicht. Je mehr Du Dich der Weite in Dir überlässt, je mehr Du in ihr verweilen willst, umso deutlicher tritt sie hervor.

Ein Virus und die Angst

Gerade in diesen Zeiten, in denen ein Virus und der Umgang mit ihm, uns unsere Angst überdeutlich werden lässt, haben wir die Chance zu lernen. Es sind immer die großen Herausforderungen, an denen wir wirklich wachsen. In ein erweitertes Bewusstsein unserer selbst hinein.

Was bestimmt unser Erleben? Was wollen wir, das unser Erleben bestimmt? Wir können den wahren Willen entdecken, wenn wir lernen offen hinzusehen, was tatsächlich mit uns geschieht.

In Verbundenheit, Nicole

 

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3 Kommentare

  1. Dörte

    Ganz herzlichen Dank Nicole für das Teilen Deiner Gedanken. Für mich hast Du da sehr klar und deutlich ausgedrückt, worum es in diesen Zeiten besonders gehen darf. Diese ‚Vogelperspektive‘ ermöglicht eine so gute und wichtige WEITErentwicklung:)
    Toll auch Dein Angebot, diese Zeiten dafür zu nutzen. ‚Wind und Weite-Grüße‘ aus dem hohen Norden, Dörte

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    • Nicole Paskow

      Danke für Dein Feedback, Dörte und viele Grüße zurück in den schönen Norden! LG Nicole

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      • Tobias Bock

        Vielen Dank liebe Nicole für deine Inspirationen und Hilfe beim Abtragen des vielen Schutt und Staubes,unter dem sich der wahre Schatz unsere Einheit mit allem gerne zeigen will.

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