Die Offenheit, die Du bist

von Radical Now und Rupert Spira

(Ich empfehle Dir zuerst den von mir übersetzten Text von Rupert Spira anzuhören und dann den Blogtext zu hören oder zu lesen.  Als kleine Öffnung, als Hinführung, als Einladung Dich auf Dich selbst ganz neu einzulassen …)

Wie könnten wir wissen, was Liebe ist, wenn wir uns selbst nicht lieben können? Wenn wir uns nicht Freund, nicht Freundin sind in jeder Lebenslage? Wenn wir glauben, dass wir richtig und falsch sein können und uns nach eingeimpften Selbstbildern richten, die unhinterfragt unsere Wirklichkeit bilden? Wenn wir glauben, dass es ein Außen gibt, dass besser über uns bescheid wüsste, als wir selbst?

Wie könnten wir einen anderen Menschen in uns einlassen, ihm Raum geben und diesem Gefühl total vertrauen? Wie könnten wir Vertrauen, wenn Vertrauen nicht in unserem Erfahrungsspektrum vorhanden ist? Wenn uns jeder Mensch bedroht, der uns zu lieben scheint? Die Sicherheit der Welt bedroht, in die wir uns zurückgezogen haben, ohne es zu merken? Eine Welt, die nichts hinein und nichts hinaus lässt von uns selbst, so, wie wir wirklich sind, weil wir gar nicht wissen, wie wir wirklich sind.

Wie soll das gehen, wenn wir uns selbst nicht vollkommen so annehmen, wie wir sind? Wenn wir glauben wir müssten und sollten Dinge tun, die wir gar nicht wollen, weil die Dinge nunmal so wären, wie sie sind. Wenn wir nicht bemerken, was wir uns selbst antun, wenn wir uns zwingen, uns optimieren, versuchen uns zu ändern und nicht sehen wollen, wer wir sind…

Der Rhythmus des Lebens

Einatmen und ausatmen. Und in der Stille verweilen, die sich dazwischen eröffnet. Bis wir wieder eintamen und ausatmen … Das ist der Rhythmus des Lebens, der uns von ganz allein bestimmt. Ohne, dass wir etwas tun müssten …

Sein ist nichts als die Stille, die alles durchdringt, das unbedingte Lauschen dessen, was erscheint und vergeht. Als Spiegelbild unserer Schönheit, die uns selbst verborgen bleibt. Doch was wir kennen ist nicht Stille. Wir kennen den Sturm aber nicht den Ruhepol, aus dem er hervorgeht. Wir sind inwändig zwei, statt eine große Einladung an alle Gedanken und Gefühle. Eine Einladung Platz zu nehmen in dem weiten Raum, der wir in Wirklichkeit sind.

Wie sollte da Platz sein für einen anderen Menschen, ein unfassbares Universum, das nach seinen eigenen Gesetzen funktioniert? Es geht nicht. Es ist nicht möglich einem anderen Raum zu gewähren, wenn der Raum nicht groß genug ist, um Deine eigene Unfassbarkeit zu fassen.
Dann ist die Liebe eine Einbildung von Eingebildeten, die von Bedingungen abhängt, von Grenzen und Beschränkungen, von Regeln, Kompromissen und Forderungen, die an dem, was Liebe ist, vollständig vorbei gehen.

Eine Einladung an Dich

Die Liebe ist eine Einladung. Eine Einladung zu fühlen. Hier und jetzt. Immer wieder neu zu spüren, wie der andere einfließt in die inneren Räume. Zu fühlen, was Du wirklich fühlst, wenn alles wegfällt und nur Blicke ineinanderfallen, Hände sich berühren, Körper sich treffen und reine Polarität regiert.
Kein Denken, kein Konstruieren, kein angstvolles Weggehen vom Gefühl, das alles sagt, das zu allem bereit ist, das niemals lügt. Wenn Du bereit bist, ihm zu vertrauen. Deinem Gefühl.

Dazu musst Du von Dir lassen, von Dir als Verschlossenheit, von Dir als Schutzraum, der immer einsam bleibt, ohne die Spur in sich selbst zum anderen. Nicht im Widerstand liegt unsere Unverwundbarkeit. Sie liegt in der Öffnung. In der Öffnung für uns selbst als Selbst-Verständlichkeit. Nichts von dem, was wir über uns denken stimmt. Nichts von dem, was wir von uns halten stimmt. Nichts von dem, wie wir sein wollen stimmt. Nichts von dem wie wir nicht sein wollen stimmt.

Du weißt nicht, wer Du bist. Du erfährst es erst im Stillsein. Wenn Du still wirst für Deine Gefühle, dann fallen Dir auch die Gedanken auf, die Dich klein halten, die an Dir zweifeln, die so tun, als wärst Du jemand, der sich verhalten muss, der sich anpassen muss, statt sich auszudrücken.

Selbstleuchtend. Einfach so.

Als wärst Du wirklich jemand, der nicht aus sich selbst heraus leuchtet. Einfach so. Weil er da ist. Dieses Licht weiß aber um sich selbst. Hinter allem Denken und Fühlen. Deshalb liebt es alles, was ihm gleicht: Die Weite des Himmels, die Schönheit eines neuen Morgens, die Klarheit reiner Luft nach dem Regen. Ein offener Mensch, der sich nicht darstellt, sondern ist, wie er ist, ganz klar er selbst, ohne zu wissen, was das bedeutet. Weil er es in jedem Moment erfährt. Einfach so.

Weil das Leben es so macht. Es lässt alles auftauchen und wieder abtauchen. Es zeigt sich in unendlichen Facetten und verwandelt sich unaufhörlich in etwas Ungesehenes, nie Dagewesenes. Ein neues Blatt am Baum, eine neue Blüte, die sich öffnet. Ein neuer Vogel, der aus dem Ei schlüpft. Ein neuer Windhauch, ein neuer Moment. Jetzt.

Ein neuer Kuss in diesem Augenblick. Wenn wir nur glauben könnten, dass wir nichts bedenken müssen. Wenn wir nur glauben könnten, dass wir uns nur anvertrauen müssen. Dem Fluss des Lebens, der uns trägt, dorthin wo wir natürlicherweise fließen, wenn wir uns lassen. Wenn wir nicht bedenken und ausdenken und Lösungen suchen und uns selbst verantwortlich fühlen alles richtig zu machen. Wenn wir uns nur entspannen könnten in den Augenblick, so, wie er einfach ist. Ganz egal, wie er ist. Ob er uns lachen oder weinen lässt.

Das Leben macht das ohne uns

Dann könnten wir erfahren, wie das Leben es so macht. Ohne uns. Als wir, durch uns. Dann treffen Menschen aufeinander, die sich wirklich begegnen, und nichts voneinander wollen. Die sich feiern und sich lassen, wie sie sind. Starke Menschen, die sich berührbar und verletzlich zeigen, offen und voller Weite für sich selbst und den anderen.

Die Schmerz nicht fürchten, die Freude fühlen und ihr Ausdruck verleihen. Wir werden niemals unberührbar. So sehr wir es auch manchmal wollen.
Und das ist wunderschön. Weil wir dadurch die Tiefe des Lebens erfahren können. Das Leben will sich fühlen, es will alles erfahren und nichts auslassen.

Es sieht durch alle Augen und pulsiert durch alle Herzen. Es sagt immer „Ja“. Fühle Dein Herz, fühle sein Verschlossensein. Fühle die Angst zu glauben, dass Du geliebt werden kannst. Ja, Du. Geliebt werden heißt nicht Druck, heißt nicht Forderung, heißt nicht Enge. Du musst dafür nichts tun. Es ist reines Fließen der Energie von einem anderen zu Dir. Einfach so. Weil Du da bist. Und so bist, wie Du bist. Kannst Du sie zulassen, diese Energie? Darf sie ungehindert durch Dich strömen? Hast Du so viel Raum, so viel Weite in Dir, das für möglich zu halten?

Die Schönheit sehen …

Wir brauchen kein Talent, das Enge, das Hässliche, das Bedrohliche zu sehen. Das geschieht „von selbst“ als Automatismus, als Weltsicht, die wir mit der Muttermilch eingesogen haben. Wir brauchen viel mehr die Fähigkeit die Schönheit überall zu sehen. Dann sind wir frei. Dann kann uns nichts mehr genommen werden.

Wenn wir uns in uns selbst hinein entspannen, dann kommt alles ins Fließen. Du bist diese Offenheit, die allem beiwohnt, was in Dir auftaucht und wieder abtaucht. Sie sagt niemals nein zu einer Erfahrung. Du als angstvoller Bedenkenträger, widerstehst den unliebsamen Momenten und erhoffst die geliebten Augenblicke.

Auch das erscheint in der Offenheit, die Du bist.

Lerne lieben. Indem Du Dich als diese Weite erfährst, die immer da ist und Deine Gedanken und Gefühle begleitet. Immer anwesend, niemals abwesend. Lerne sehen, wer Du wirklich bist, mache die Erfahrung der Offenheit für Deine Verletzlichkeit, für Deine Berührbarkeit, Deine Bedürftigkeit und Sehnsucht. Dann wirst Du gesehen. Von Dir. Du erfüllst Dich mit Dir selbst in jeder Form. Und bist gleichzeitig leer vom Tun und Lassen eines Wissenden, der nichts von Dir weiß.

Lass Dich frei in Dir. Dann lernst Du lieben.
Dann fühlt die Liebe sich gesehen und ist gern bei Dir.

In Verbundenheit, Nicole

 

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9 Kommentare

  1. Christoph

    Wunderschön !

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  2. B

    Deine Worte haben mich wieder einmal sehr berührt, liebe Nicole. Danke für Deine Herzensverbundenheit.

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  3. Andrea

    Zutiefst berührt! Ich staune immer wieder über deine göttliche Gabe, das Unbeschreibliche in Worte auszudrücken. Das hinterlässt eine unfassbar spürbare leichte Weite. DANKE!

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  4. Iris Münch

    Liebe Nicole, Dein Text hat mich sehr berührt. Er ist mir aus dem Herzen gesprochen.
    Ich Danke Dir dafür.
    Herzliche Grüße Iris

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  5. Jolanta Maria

    Liebe Nicole, deine gesprochenen Texte berühren auf sehr tiefe und sanfte Weise. Sie sind eine wunderbare Einladung an uns selbst. Ich fühle mich sehr getragen von deinen Worten.
    Sie inspirieren zum anhalten und nachspüren.
    Danke dafür,
    Jolanta

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  6. Andreas Jenne

    Liebe Nicole,

    Deine Worte kommen wie gefühlt alles in den letzten Monaten zur richtigen Zeit und unterstützen mich auf meinem Weg, zu meinem Selbst nicht nur vorzudringen, sondern immer mehr ich selbst zu sein, mich mir selbst zu öffnen, zu lieben, aber auch den Mut diese Offenheit nach außen zu tragen, das Wagnis sich dem Leben zu stellen.

    Danke, Nicole, dass Du an dem Thema drangeblieben bist. Es ist so groß, so schön und doch oft so schwierig…

    In Verbundenheit
    Andreas

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  7. Christine Geiler

    Liebe heißt begrüßen, willkommen heißen. Ein ja, macht es erst möglich, wirklich eine Erfahrung von Liebe zu machen. Ein Ja, ist der Schlüssel, der erst die Türe öffnet, und den Raum für Sichtbarkeit und dem Fokus die Tiefe erlaubt. Ohne ja bleibt man vor dieser Türe stehen und gibt sich mit Floskeln und Vorstellungen zufrieden, die niemals wahren Frieden in einen einlassen können.

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  8. Silvia

    Liebe Nicole,

    vielen Dank für diesen wundervollen Text, der mein Herz tief berührt und die Wahrheit darin spüren lässt…
    Es gibt nicht viele Worte in mir, aber ein warmes Gefühl der Dankbarkeit und Zuversicht, herzlichen Dank dafür!

    Silvia

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  9. Carmen

    Liebe Nicole,

    die Liebe ruft uns.
    In den leeren Raum, in dem alles möglich ist.
    In dem alles erscheint und wieder vergeht….

    Danke für Deine Gedanken, die Du immer so wundervoll in Worte formst….
    Mit kraftvollen Segenswünschen,
    Carmen

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