Die Freiheit wirklich zu lieben, enthüllt sich an einem ganz bestimmten Ort. Es ist ein Ort, der sich erst spürt, wenn er sich angesprochen fühlt. Wenn er getroffen ist. Wenn er wirklich betroffen ist. Oft geschieht es dann, wenn wir etwas verlieren, was wir nicht verlieren wollten. Dann ist dieser Ort wirklich berührt und fühlt sich selbst so intim, dass jede Abgrenzung ihre Kontur verliert. Diesen Ort kann man nicht gedanklich betreten, deshalb ist er so schwer zu erfahren. Er bedeutet reines Fühlen.

Dieses Fühlen breitet sich aus wie ein inneres Meer. Ein machtvolles Glühen aus der Tiefe des Ozeans, das mich ergreift und hilflos macht. Momente des Scheiterns sind die besten Momente, denn sie bieten einen direkten Zugang zu dieser Unsichtbarkeit und wirken wie ein Portal in eine andere Welt, die schon vergessen schien: Die zarte Berührung der reinen Anwesenheit. Wenn alles scheitert, kann ich nirgendwo mehr sein, als hier.

Es gibt keine Zukunft mehr und in der Vergangenheit ist alles verloren und vorbei. Was bleibt ist nur noch dieser Moment. Immer wieder dieser Moment. Und hier liegt sie verborgen, die Unmittelbarkeit, vor der der Verstand sich so sehr fürchtet.
Hier nehme ich plötzlich wirklich wahr.

Die Menschen, die mit mir sind und auch die, die es nicht mehr sind. Ich sehe sie in ihrer eigenen Schönheit, die mich ergreift. Die mich weitet und die Liebe fühlen lässt, die nicht von mir kommt, sondern die Liebe, die anwesend ist, wenn ich es bin. Die Nebel lichten sich im Anbruch dieser Morgendämmerung und ich sehe das, was mich erreicht von seinem eigenen Leuchten erhellt, weil es nun frei ist von meinen Projektionen.

Alles erstrahlt als es selbst. Und ich kann es sehen und dieses Sehen dringt direkt in mich ein als Empfindung stiller Liebenswürdigkeit. Reine Berührtheit. Denn ja, es ist die Stille, die nun durch mich sieht, die allem Ding sein Sein lässt, ohne es zu färben mit Eigenwillen und Urteil. Hier zeigt sich die Liebe als Anmut, die sich selbst in allem erlebt, was ihr erscheint. Selbst das Hässliche, das Ignorante, das Unverständliche und Verabscheute wird in schweigendem Mitgefühl erleuchtet. Es ist ja auch aus Schönheit gewebt. Schönheit, die sich einfach selbst nicht sieht.

Es ist die vollkommene Schutzlosigkeit, die in allem offenbar wird. Die Nacktheit der Existenz, wie sie einfach ist. Wir können nur so, wie wir können, gerade wenn wir es nicht können und sind dennoch nie etwas anderes als Geschöpfe aus und in Liebe. Ich nehme mir die Freiheit es immer wieder so zu sehen. Oder es ist die Freiheit selbst, die sich immer wieder die Freiheit nimmt, es so durch mich zu sehen. Der Geschmack dieser stillen Präsenz ist wie kühler Tau auf meinen Lippen. Wie klare, silberne Regentropfen auf einem grünen Blatt. Voll und da und ganz ungestört sie selbst.

Ich bin ein reiner Tropfen in dem sich die Welt spiegelt. Als Facetten von Licht. Die Dinge zu sehen, wie sie aus sich selbst heraus sind. Das ist das Geheimnis der Fülle. Das ist das Geheimnis von Berührung. Von Liebe. Ich sehe, dass mein Wille alles verzerrt, was ich sehe. Ich sehe, dass er die Mauern um mich herum errichtet. Und das sie fallen in einer einzigen, direkten Berührung. Da, wo keine Grenzen mehr sind, bin ich. Von hier aus entfaltet sich das Leben mir selbst gemäß.

In Verbundenheit, Nicole

 

 

Wenn Dich der Artikel inspiriert hat, freue ich mich sehr über den Ausdruck Deiner Wertschätzung mittels einer Spende. Vielen Dank!

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Comments

comments