Etwas von der Welt zu wollen ist genauso sinnlos, wie von einem Traum, den Du in der Nacht träumst, zu erwarten, dass er sich in Dein Wachbewusstsein hinein verwirklicht. Die Perspektive stimmt einfach nicht. Das ist das ganze Problem. Wenn wir nachts träumen, erscheint uns der Traum als erlebte Realität. Wir wissen nicht, dass wir träumen. Wir wissen nichts vom Träumer selbst, der wir sind und den es braucht, damit der Traum überhaupt erscheint. Das Prinzip des Lebens drückt sich überall aus. So auch als Leben selbst. Es ist sich selbst eine Metapher – Ein Spiegel im Spiegel.

Das, was ich als „die Welt“ erlebe, ist das, was mir – als der Erlebenden – erscheint. Genau so, wie mir als Träumerin, der nächtliche Traum erscheint. In beiden Fällen weiß ich nichts von „mir“ und halte das, was erscheint für das Gegebene, für die Realität, für die alleinige Wirklichkeit meiner Erfahrung. Dabei ist alles, was mir erscheint, ein Ausdruck meiner selbst als Erlebender. Die Realisation der Dimension dieser Erkenntnis, ist das Schwerste, was, in meinen Augen, ein Mensch vollbringen kann. Nach dieser Realisation ist das Leben ein vollkommen anderes, obwohl sich nichts verändert hat. Einzig die Perspektive ist eine andere. Der Blickwinkel auf das, was ist und von wo es ausgeht, hat sich fundamental verschoben.

Solange wir von der Welt wollen, dass sie uns glücklich macht, sind wir wie eine Figur in einem Bild, die nichts vom Maler weiß. Eine Figur, die von der sie umgebenden Welt erhofft, dass sie erkennt, wie schön und wertvoll sie ist, damit sie sich glücklich fühlen kann. Doch erst, wenn wir erfahren, dass wir ein Ausdruck des Malers selbst sind, der seinen Pinsel in die Farbe taucht und auf die Leinwand malt, können wir uns entspannen. Dann wissen wir, dass wir Gemalte sind, die sich vollkommen in ihre Farben hineinfallen lassen können. Diese Rückanbindung an die Quelle der Erscheinung, lässt endlich ein harmonisches Bild zu.

Dann versuchen wir nicht mehr als Figuren, die sich für den Maler halten, das Bild zu ändern. Wir erkennen die falsche Perspektive. Jede Verzweiflung ist auf diese Fehlsicht zurückzuführen.

Die Quelle liegt im Bewusstsein selbst

Die Wahrnehmung meiner selbst geschieht im Bewusstsein, das ich bin. Hier liegt die Quelle meiner Erscheinung – und nicht im Spiegel, der mein müdes Morgengesicht zeigt. Das, was ich dort sehe ist bereits das Wahrgenommene. Sobald ich mir dessen bewusst werde, entspanne ich mich, weil ich mir der grundlegenden Entspanntheit der Wahrnehmung selbst bewusst werde. Sie ist so entspannt, dass sie alles ausdrückt, was wahrgenommen wird. Ohne eigene Meinung dazu.

Bewusstsein nimmt wahr, was als Möglichkeit darin erscheint. Was nicht möglich ist erscheint nicht. Was möglich ist, erscheint. Es mischt sich nicht ein in mein Drama, das ich mit der Welt habe. Es lässt mich immer gewähren, selbst wenn ich beschließe mich umzubringen, weil mir das Leben verweigert, was ich mir so dringend wünsche oder weil ich nur noch in der Lage bin Dunkelheit zu empfangen.

Es hat auf alles, was ich, im Verborgenen, denke, fühle und glaube, die dazu passende Antwort. Mein Denken, Fühlen und mein Glauben bestimmen, was ich erlebe. Sie bestimmen, was wahrgenommen wird. Bewusstsein drückt seine Wahrnehmungsmöglichkeiten durch mich (jeden Menschen) aus.

Es gibt kein Problem mehr

Das, was wahrgenommen wird, passt zu 100% zur Qualität der Wahrnehmung, die dem zugrunde liegt. Je deutlicher die Wahrnehmung sich ihrer selbst als Anwesenheit bewusst ist, umso erfüllter ist das Empfinden zu dem, was wahrgenommen wird. Es gibt kein Problem mehr in mir  – mit mir. Ich erkenne, dass alles, was ich in mir an Gedanken, Gefühlen und Empfindungen wahrnehme, bereits wahrgenommen ist. Von mir als Wahrnehmung selbst.

Wie absurd ist es dann noch dagegen zu opponieren? Mich gegen die wahrgenommene Wut zu richten, gegen die Angst, den Zweifel, die Unsicherheit oder auch die Freude, oder die Kraft und die Herrlichkeit, wenn sie doch schon lange wahrgenommen wird?

Wenn sich das verkörperte Bewusstsein, als das ich erscheine, zutiefst bewusst wird, dass es selbst im Bewusstsein erscheint, das es ist – ist der Kuchen gegessen. Ich weiß, wie unverständlich das klingt. Und ich weiß, wie wahr das ist.

Schluss mit dem Widerstand dagegen

Der direkteste Weg in diese Realisation ist aufzuhören Deine Wahrnehmung anzuzweifeln und das, was Du wahrnimmst, ohne Umwege mitzubekommen, was nichts anderes bedeutet als den Widerstand gegen das aufzugeben, was Du tatsächlich empfindest.

Es geht darum, Dich einzig auf das zu besinnen, was in Dir auftaucht, es vollständig (wehrlos, offen, still) zu sehen und die  Wahrnehmung über die Natur seiner Quelle in Empfang zu nehmen.

Die Natur von Enge ist die Abwehr der Weite. Was hält Dich in der Abwehr? Was lässt Dich glauben, dass eine andere Figur im Bild Dir etwas Schlechtes tun kann, oder etwas Gutes? Es ist nichts anderes als die Fehlsicht auf Dich selbst. Niemand, der in Deiner Wahrnehmung erscheint, kann Dich verletzen, wenn Du in Dir selbst heil bist. Wenn Du Dir der naturgegebenen Ganzheit Deiner Wahrnehmung, die Du bist, bewusst bist.

Du bist DAS

Dann fällt Dir auf, dass alles, was Du wahrnimmst ein Teil von Dir ist, weil Du die Wahrnehmung bist, in der jeder und alles erscheint. Du bist Das, was ist. Wenn Du also gegen einen anderen Menschen kämpfst, bist Du ein Schattenboxer, der gegen seinen eigenen Schatten antritt. Sobald Du eine innere Verletzung wahrnimmst, die schmerzt, ist das der Hinweis auf einen Widerstand in Dir, der verhindert, dass Du einem Teil von Dir den Zutritt ins Bewusstsein gewährst.

Es wird hell, wenn die Ganzheit eines Sonnenstrahles in Dein Bewusstsein dringt und Du erkennst, dass dieser Strahl alles erhellt, was in ihm erscheint. Ob es ein Hundehaufen ist oder ein Löwenzahn. Alles erscheint in diesem Licht, das Du bist. Du wehrst Dich so lange dagegen, bis Du erkennst, dass alles, was Dir erscheint, in Deinem Licht erscheint.

Jede schmerzende Verletzung ist ein Fingerzeig auf Dich als Abwehr Deiner Präsenz, als Widerstand gegen die Wahrnehmung dessen, was ist- und damit gegen Dich selbst. Die Verletzung, die Du wahrnimmst tut deshalb weh, weil Du sie nicht vollkommen wahrnehmen willst. Das Paradoxe ist, dass in dem Moment, wenn der Widerstand gegen die vollständige Wahrnehmung des Schmerzes fällt, auch der Schmerz fällt. Und das gilt für absolut jedes unangenehme Gefühl. Es ist nur deshalb unangenehm, weil ein Widerstand gegen seine vollständige Wahrnehmung existiert. Nur um diesen Widerstand geht es.

Das isolierte Ich ist der Widerstand

Solange wir dem, was wir fühlen widerstehen und es anders haben wollen als es ist und damit abwehren, existieren wir als Widerstand gegen die Wahrnehmung unserer Natur. Deshalb ist es unerlässlich alles, alles, alles zu fühlen, was Du fühlst. In stiller Anwesenheit, wie die tiefe See, die Seeungeheuer genau so wie Seepferdchen beherbergt. Sie hat keine Angst vor den Erscheinungen in sich selbst, weil sie zutiefst mit ihnen verbunden ist.

Sie ist so damit verbunden, wie eine Mutter mit ihrem Kind, wie ein Same mit der Blüte. Wir empfangen die Liebe dann, wenn wir sie sind. Zuvor versuchen wir von einem anderen zu bekommen, was wir uns selbst verwehren und ernten den Mangel und den Widerstand, der tief in uns blutet, weil wir die Wunde nicht wahrnehmen wollen. Das ist der Sprung von der Klippe, der uns spüren lässt, dass wir im Fallen zutiefst geborgen sind.

Ein Traum von Elias - Nicole Paskow

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6 Kommentare

  1. Elke

    🥳💐🎉JA!!!- DANKE für deinen WEG- und dein teilen- und dann schaue ich, die WAHRHEIT die ist… herrlichkeit, schönheit, wunder- himmel auf erden und sehe, dass alles gott ist… die geburt des LICHTES in jedem von uns… alles entmachtet, jede idee und kontrolle hingegeben- auferstanden in der ewigkeit… liebend im nächsten… 🙏❤️‍🔥❤️‍🔥❤️‍🔥🙏

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    • Martina

      Immer wieder nehme ich deine Worte, vom Bewusstsein, tief in mich hinein und ganz von selbst fließen Tränen der Berührung , der Sehnsucht in mir. Der Sehnsucht nach mir selbst, als Quelle des Gelebten und Erlebten. Wehrlos in die Quelle eintauchen ???? Ja. Danke. Bin ganz bei dir. Martina

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  2. Nicole Paskow

    Was für ein Enthusiasmus, liebe Elke! 🙂 Danke für Deinen Kommentar! LG Nicole

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  3. Johannes

    „Dabei ist alles, was mir erscheint, ein Ausdruck meiner selbst als Erlebender“

    Liebe Nicole, das was du mitteilst erfüllt mein Erleben gerade jetzt. Ich lasse mich darauf ein. Beim Hören von Musik, beim Hören der Klangwelten des Alltags. Das Fühlen, das Erfahren steht weit vor der Erkenntnis.

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  4. Christine Geiler

    Der Schrecken vor dem Widerstand, weicht einem tiefen Vertrauen, das durch das Erfahren in Weite und Annahme zur Auflösung übergeht. Hier entsteht Einsicht und Klarheit in allen Ebenen. Der Schöpfer wird sich des geschöpften bewusst. Der Ursprung allen Seins wird erfasst. Bewertungen verlieren ihre Schärfe und lösen sich.

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  5. Britta Sperling

    Liebe Nicole …

    >> … Bewusstsein mischt sich nicht ein in das Drama das ich mit der Welt habe. <<

    Ich muss so schmunzeln und wer jetzt ich ist, die schmunzelt
    … ach ist das herrlich.
    No coment.

    Bewusst-ES-Sein
    ist so unumgänglich ursprüngliche
    Pureness

    Gott, wie fantastisch !!!
    Das ist der Satz des Jahres.
    So erfrischend direkt.
    Stelle mir gerade vor, wie er auf einem T-Shirt prankt.

    Vielen lieben Dank,
    Britta

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