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Ordnung ohne Kontrolleur

von Radical Now

Menschliches Bewusstsein, das zu seinem vollen Potenzial erwacht ist, macht sich keinerlei Gedanken mehr über ein eigensinniges Wollen und Nichtwollen. Es ist einfach nicht mehr nötig. Es ist genauso wenig nötig, wie mit 15 Jahren noch an einem Schnuller zu saugen, um sich in schwierigen Situationen emotional zu beruhigen. Der Eigensinn verliert seinen Sinn in der Hingabe an das, was als Lebenswille erkannt ist. Und der zeigt sich immer direkt und ohne Filter, als das, was ist.

Der Blick in welche Gesellschaft auch immer, zeigt deutlich, wie sehr Menschen gefangen sind in der Polarität emotionaler Abwehr und Anziehung. Das in sich selbst gefangene Kollektivbewusstsein ist das Ergebnis der Unfähigkeit des Einzelnen in eine psychische Einheit zu gelangen. Eine Einheit, die den Suchtcharakter von Wollen und Nichtwollen durchschaut und sich jenseits dieser Polarität dem überlässt, was als stilles Einvernehmen mit jeder menschlichen Regung – jedem emotionalen oder mentalen Ausdruck – seinen
Erfahrungsraum gewährt.

Einfacher gesagt: Reifes Menschsein bedeutet alles zu fühlen und alles zu sehen. Es bedeutet nicht wegzusehen, nicht heranzuziehen und nicht abzulehnen. Und das Ergebnis
heißt Dasein.

Die Offenbarung

Wir sind schon immer was wir sind – dem Leben Anvertraute – und doch müssen wir uns dessen scheinbar erst bewusst werden. In dieser Bewusstwerdung liegt die Offenbarung unseres unermesslichen Potenzials – eines Potenzials, das sich eben dann zeigt, wenn wir uns beruhigen und in dieser Beruhigung auf allen Ebenen die Ursachen von Angst erkennen, durchschauen und Kraft unseres Bewusstseins aushebeln. Was keine Tat an sich ist, sondern ein sich selbst vollziehender Prozess.

Eigensinn ist das direkte Ergebnis von Angst. Eigensinn ist nichts anderes als ein Kontrollsystem, das sich selbst erhält, indem es an die Richtigkeit seiner dualen Wahrnehmung glaubt, sie nie hinterfragt und somit keinen Ausgang aus einem Gefängnis findet, das sich noch nichtmal als solches zu erkennen gibt. Eine fast unmögliche Aufgabe also. Sie ist letztlich nur für den, der seine Gefangenschaft erkennt und sie verlassen will, was ein erstes Anzeichen für den zu sich selbst erwachenden natürlichen Willen ist.

Bewusstsein wurde dem Menschen geschenkt, um sich auf eine Weise zu entfalten, die seiner Natur entspricht. Doch eben diese Natur lebt noch immer im vor sich selbst Verborgenen. Als lebten wir noch immer in Höhlen und hielten sie für die Welt und das Ende unserer Möglichkeiten.

Künstliche Parallelwelt

Wenn sich ein Mensch bewusst wird, wie sehr er seine wahren Regungen abspaltet und eine künstliche Parallellwelt auf dieser Abspaltung errichtet, verändert sich die Welt in der und als die er lebt. Alles Künstliche wird dem sehenden Blick deutlich und ist damit nicht mehr haltbar. Dieser Abfall ist zutiefst heilsam. Er überführt ihn in eine höhere Ordnung. Eine Ordnung, die keinem System unterworfen ist, weil sie sich aus sich selbst heraus organisiert. Das ist, wofür das, was wir als Natur erleben, ein direktes Bildnis ist.

Eine Ordnung ohne Kontrolleur. Undenkbar für das sich selbst kontrollierende Denksystem, das vor der Aufgabe steht, sich selbst abzuschaffen. Das gelingt nur dann, wenn der direkte Lebenswille, der durch alles und jeden fließt, Bewusstsein selbst, das Ruder bereits übernommen hat. Es stellt sich als Vertrauen ein, jenes unsichtbare Empfinden, das als Zuversicht, trotz immer wieder aufkommender Orientierungslosigkeit, das Erleben bestimmt. Diesem Vertrauen in Stille den Raum mehr und mehr zu überlassen ist die Selbstverwirklichung, die das Denksystem zu Fall bringt.

Still werden. Trotz Lärm. Einsinken, trotz aller Stürme, die als emotionale Aufruhr toben. Sich einlassen, trotz aller Gedanken, die sich wehren und schützen wollen. Und sie klar sehend und voll fühlend, ihrer Substanzlosigkeit überführen. Bewusstsein erwacht zu sich selbst als die Freiheit alles zu erleben, was auftaucht. Hier muss nichts abgespalten werden, weil es keine Fremdheit gibt und damit kein Getrennt sein von sich selbst.

Bewusstsein ist frei

Jedes Empfinden ist schon angenommen, weil es da ist. In diesem Angenommensein kommt und geht es seinem eigenen Rhythmus gemäß. Es muss weder festgehalten noch losgelassen werden. Hier zeigt sich die Fülle dessen, was Berührbarkeit ist. Und Gott liebt es Mensch zu sein. Bewusstsein selbst ist so frei all seine Schatten zu erleben, was sie im Licht seiner Anwesenheit erlöst.

Wir können der Selbstregulation vertrauen. Das ist das tiefe Versprechen, das in der Hingabe an sich selbst als verletzliches und berührbares Wesen liegt. Dein unbedingtes Getragensein offenbart sich in diesem stillen Einlassen auf die Möglichkeit, dass alles Dunkle in Dir nur deshalb dunkel ist, weil Du Dein Licht nicht hinwendest. Weil Du willst und nicht willst, statt zu spüren und zu erfahren. Alles in Dir ist es wert gesehen und gefühlt zu werden. Bedingungslos. In dieser Öffnung liegt das Heile, das schon immer ist.

Ein Traum von Elias - Nicole Paskow

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5 Kommentare

  1. Gabi*

    Liebe Nicole,dein Text erreicht mich sehr.Er beschreibt im Grunde den Prozess der grade in mir stattfindet.(durch die Zeit bei Daniel auf Kreta nochmal mehr vertieft).Sehr gerne wäre ich dabei, das könnte ich mir gut vorstellen. Leider bin ich noch auf Reha(die mir wirklich sehr gut tut !)wo es keinen wirklich geschützten Raum mit Internetzugang gibt…Ganz gutes Erleben dann,was immer das heißen mag.Gerne verfolge ich deinen Weg.Ganz Herzlichen Gruss.Gabi*

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    • Nicole Paskow

      Liebe Gabi, ich freu mich, dass Dir die Reha gut tut! Ich hoffe, dass sie Dir nachhaltige Erkenntnisse für
      Deinen Alltag schenkt. 🙂 Du kannst den Online Abend auch später nachschauen.
      Alles Liebe für Dich! Nicole

      Antworten
  2. Brigitte

    Liebe Nicole, deine Texte haben mich so oft in irgendeiner Weise berüht. Dieser bewegt mich so sehr tief im Herzen, so klar und auf den Punkt gebracht, dass ich mich vor deiner Gabe, fast kaum ausdrückbare Dinge in Worte zu fassen verneigen mag! DANKE für die Berührung, DANKE für den „Pfeil“ schießend durch die Verletzlichkeit in die Essenz, die uns allen inne wohnt und derer wir uns erinnern dürfen. Es zuzulassen und Wege erkunden dürfend dieses ins Dasein zu bringen, dem Moment, was ist und das was sein kann. Von Herz zu Herz, DANKE, Brigitte

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  3. Ma

    Liebe Nicole,
    Dein Text zu dem Thema, das mich auch grad sehr bewegt, ist großartig, wunderbar, danke!
    Ich werde versuchen am 13.11.dabei zu sein…
    Alles Liebe,
    Ma

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  4. Werner

    Liebe Nicole,
    ich fühle mich sehr erinnert an die Mystik alter Zeiten. Doch diese Mystiker wurden sehr oft verfolgt
    und abgelehnt, etc..
    Gibt es nun vielleicht eine neue Zeit. Was du schreibst ist sehr verheißungsvoll.
    Das Mittelalter sollte vorbei sein!
    Kommen nun “ nach “ Corona die neuen Seelen, die den Fluss der Liebe erkannt haben.
    Wir landen nicht mehr auf dem Scheiterhaufen, weil wir uns z. B. nicht impfen lassen.
    Vielen Dank und Liebe Grüße
    Werner

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