Das Paradoxon vom Handelnden

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von Radical Now

 

Es sind Gedanken, die mich scheinbar von mir als das, was der Mensch als „Gott“ bezeichnet, trennen. Ich sage nicht gerne Gott, weil dieses Wort unendlich beladen ist. Es ist so überfrachtet mit Vorstellungen, mit Idealen, dass seine Wirklichkeit genausowenig wahrgenommen werden kann, wie die Übereinstimmung mit „ihm“.

Wirklichkeit ist das, was kommentarlos geschieht. Gott selbst braucht keine Gedanken, um wirklich zu sein. Der Mensch, als dieser Ausdruck Gottes, vergegenwärtigt seine Anwesenheit durch Gedanken. „Ich bin – hier“. Gott, als die Wirklichkeit selbst ist nicht angewiesen auf die Vergegenwärtigung seiner selbst. Er ist sowieso, ob ein spezielles Bewusstsein darüber geschieht oder nicht.

Gedanken sind ein Instrument von und für den Menschen. Durch sie blickt er in seinen eigenen ursprungslosen Spiegel. Oder er verliert sich in ihnen dann drückt sich dieser Verlust als Unglücklichsein aus. Als scheinbaren Abfall von Gott, von seinem wahren Wesen, von sich selbst als Wahrheit. Was genau genommen nicht stimmt. Es ist kein Abfall von Gott möglich. So wie jede Unwirklichkeit in der Wirklichkeit geschieht, denn ohne Wirklichkeit gäbe es nicht mal das Unwirkliche.

Werkzeuge der Vergegenwärtigung

Was ich damit sagen will: Gedanken jeder Art sind Teil der Wirklichkeit, sie sind wie die Schaumkronen auf den Wellen des Meeres. Eine Begleiterscheinung, die weder die Wellen, noch das Meer beeinflussen. Sie sind nicht aus sich selbst heraus, deshalb auch nicht von etwas getrennt.

Sie sind nur scheinbar etwas anderes als die Wirklichkeit, oder Gott, weil sie scheinbar „draußen“ stehen. Sie sind Werkzeuge der Vergegenwärtigung. Wir können einen Sonnenaufgang betrachten und direkt spüren, wie dieser Anblick wirkt. Oder/und wir können aus dem Erleben heraustreten und sagen: „Ach, wie schön!“.

Dann haben wir uns diesen Augenblick vergegenwärtigt. Das ändert nichts am Augenblick. Wir können uns in die Augen sehen und uns in der Tiefe dieses Blicks verlieren. Oder/und wir können „Ich liebe Dich“, sagen und uns diesen Blick vergegenwärtigen.

Ich kann Trauer fühlen und mich fragen warum und weshalb? Oder/und ich spüre einfach die weichen Wellen dieses Fließens, das in brandenden Wogen an die Ufer meiner Berührbarkeit drängt.

Die Qualität des Heilen

Es ist nur ein Unterschied in der Wahrnehmung. Ein Unterschied wie etwas erlebt wird. Gott ist der (Ur)Grund dessen, dass etwas erlebt wird. Alles, was in ihm auftaucht, egal, wie es ist, ist er. Dieser Grund ist nie weg. Er ist immer da. Egal, was ich erlebe. Er trägt alles, was ich erlebe. Er trägt mich. Weil ich bin, was er ist. Da passt kein Blatt Papier dazwischen. Und schon gar kein Gedanke ist in der Lage zu trennen, was nicht trennbar ist.

Ich als dieser Mensch, bin durch Gedanken auf sich selbst aufmerksam gewordene Wirklichkeit. Gedanken sind die Treppenstufen, die mich in den treppenlosen Raum führen. Der immer ist. In dem Treppen vorkommen, die nirgendwohin führen als immer wieder in Gottes Leere. Ein ewiger Kreislauf, der sich selbst durch den Menschen erlebt.

Es gibt kein Entkommen aus Gott. Deshalb muss ich mich (und kann es auch gar nicht!) von nichts befreien. Weder vom Trauma konditionierter Gedanken, noch von Depressionen, Liebeskummer, Selbstzweifel, von Ängsten oder Sorgen. Weil all das ebenfalls Ausdruck Gottes ist. Religiöse Menschen würden sagen: In seiner Größe empfängt er alles, was ist. Denn er ist alles, was ist.

Die Unwirklichkeit in der Wirklichkeit

Ich würde sagen: Befreiung ist das Erkennen, dass ich als die Befreiung Suchende die Unwirklichkeit bin, die in der Wirklichkeit stattfindet. Nur weil ich nicht wahrnehme, dass alles, was ich als mich erlebe, jede Regung, jeder Gedanke, jedes Gefühl bereits empfangen ist. Ich muss nichts ändern, weil

ich schon (immer) bin, was und wer ich bin. Die Suche nach mir selbst als Gottespräsenz ist nichts als ein Krieg der Gedanken gegen sich selbst.

Das ist, als würde die Radiosendung, die Jazz spielt, am Radioknopf drehen wollen, um (sich selbst als) einen anderen Sender empfangen zu können, weil sie glaubt, dass Jazz kein valides Radioprogramm ist. Sie übersieht dabei schlichtweg, dass sie ist. 

Die Ruhe des Nirgendwoher und Nirgendwohin

Befreiung ist die Entspannung in sich selbst. Diese Entspannung braucht keine gedankliche Bestätigung ihrer selbst mehr. Sie ruht in sich und hadert nicht mehr mit dem Hader. Er darf genau so stattfinden wie Glück, Freude, Schönheit. So groß ist Gott in uns und als wir! Diese Vielfalt der Erfahrungen, aus der keine Erfahrung ausgeschlossen wird, auch nicht die Erfahrung des Ausschließens von Erfahrungen – ist der Spiegel für die allgegenwärtige Leere der absoluten Wirklichkeit, die schon immer als Du und ich stattfindet.

Wenn Du siehst, dass Du Dich entspannen kannst, dass Deine Wut, Angst, Trauer, Deine Angespanntheit und Verwirrtheit sich erfahren dürfen in Dir und durch Dich, (weil sie sowieso schon da sind) dass es keinen Grund gibt, vor ihnen zu flüchten, sie wandeln zu wollen, um Dich als einen besseren Sender empfangen zu können, dann entspannst Du Dich und in dieser Entspanntheit entspannt sich alles.

Du bist der absolute Ausdruck Gottes. Ganz genau so, wie Du in jedem Augenblick bist. Es gibt keine Regeln und keine Grenzen. Es gibt keinen Gottesbeweis, weil Du dieser Beweis bist und Dich damit nicht außerhalb Deiner selbst erfahren kannst. Du musst nichts tun, Du kannst nichts machen, Du kannst nur sein was Du bist und erleben, wie sich diese Entspanntheit auf Deine Wahrnehmung auswirkt. Du kommst Gott damit nicht näher. Es ist eher seine Selbstversunkenheit, die sich in Dir offenbart – als würde er dem Kinofilm Deines Lebens mit Haut und Haar folgen …

 

Ein Traum von Elias - Nicole Paskow

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13 Kommentare

  1. Christoph T

    Nicole … danke für den Mega Text. Ich bin süchtig nach Deinen Worten, lese sie immer wieder und entdecke immer wieder einen Hinweis, der nachwirkt … und hier hört wirklich alles auf … verdammt! 😉 Dein Chris

    Antworten
    • Nicole Paskow

      Danke Dir, lieber Chris!

      Antworten
  2. Nicole Paskow

    Ja, das war eine Info an Deine Sucht! Hier hörts auf! 😀 LG Nicole

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    • Anita

      Danke, Danke, Danke von ganzem Herzen. Deine Erinnerung ist genau zum richtigen Zeitpunkt angekomnen. Jetzt kann ich mich wieder entspannen und einfach sein 😄
      Alles Liebe, Anita

      Antworten
      • Nicole Paskow

        Das freut mich sehr, Anita! Schön, von Deinem (Da)Sein zu lesen! 🙂

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  3. beatrice

    … und ich brauche nichts dazu kommentieren oder schreiben und trotzdem schreibe ich …

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    • Nicole Paskow

      Tja … liebe Beatrice, es tut eben auch durch Dich, was es so tut … 😉 Herzlichste Grüße an Dich!

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  4. Maja

    …. und ich schlage dazu einen Purzelbaum vor Begeisterung…grundsätzlich…und speziell ob der schelmischen Formulierung …. ‚Du kommst damit Gott nicht näher. Es ist eher seine Selbstversunkenheit die sich in Dir offenbart- als würde er dem Kinofilm Deines Lebens mit Haut und Haar folgen…
    einfach umwerfend :-)))

    :-)))…danke Dir

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    • Nicole Paskow

      Ahhhh, wie schön, Maja, dass Du das „gekriegt“ hast 😀 Freu mich! :-*

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  5. Heidi und Beat

    Liebe Nicole, von Herzen Danke für diese Worte die nicht greifbar sind und gleichzeitig tief berühren.

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    • Nicole Paskow

      Danke, lieber Beat für Deinen Kommentar! 🙂

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  6. Valentina

    Das „verlinkt“ mich gerade wieder mit einem eigenen Erkenntnisgedanken, den ich mal hatte:
    Es gibt keinen Sinn des Lebens, den ich suchen/finden könnte … ICH BIN der Sinn des Lebens.

    Danke für deine immer wieder berührenden Worte … ♥

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    • Nicole Paskow

      Ja, wenn wir suchen, sind wir scheinbar nicht „verlinkt“. 😉 Danke für Deinen Kommentar, Valentina!

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