Das Paradoxon vom Handelnden

Der Untergang aller Reiche - anhören

von Radical Now

Wahrhaftiges „zu sich Finden“ kann nur in der Stille geschehen. Es gibt keinen anderen Ausweg. Und Stille bedeutet absolute Selbstkonzentration. Absolute Selbstkonzentration wiederum, ist ein anderes Wort für Meditation. Wenn die Aufmerksamkeit in sich selbst ruht. Wenn kein Inter-esse (lat. für Dazwischensein) sie aus ihrer Selbstversunkenheit zieht, kann sein, was will.

Ein menschlicher Geist dieser Zeit ist nicht, oder nur extrem selten, in der Lage, diese Meditation aufzubringen. Er ist, durch sein Eigeninteresse, viel zu abgelenkt, um in sich selbst zu verweilen. Und in sich selbst bedeutet – in offener Stille ohne geistige Kontraktionen durch Gedanken über etwas.

Es gibt einen Punkt, an dem deutlich wird, dass absolut jeder Gedanke bereits Ausdruck eines unruhigen, an Eigeninteresse leidenden, Geistes ist. Er zieht die Aufmerksamkeit aus sich selbst heraus hin zu etwas, in dem sie sich selbst vergisst und somit in Gedanken verstrickt. Um hier wieder herauszufinden bemüht sie noch mehr Gedanken, die ihr dazu verhelfen sollen, wieder zu sich zu finden. Und erschafft damit nur ein Gedankenlabyrinth, das jede freie Schwingung abwürgt und einen Menschen ins Dunkel seines denkenden Geistes wirft und damit in die eigene Hölle – den (H)Ort  jeder geistigen Krankheit.

Ohne Gedanken keine Welt …

„Die Welt“ findet in Gedanken statt. Ob sie glücklich erscheint oder unglücklich, entspannt oder paranoid, liegt daran, wie tief der Mensch in seine Gedanken verstrickt ist. Gedanken, die seine, als real empfunde, Welt erschaffen. Wir haben nichts anderes als unsere Aufmerksamkeit. Es ist eine tiefe Gewohnheit, sie auf ein Objekt zu richten. (Und schon Gedanken sind Objekte.) Diese zwanghafte Ausrichtung auf „Etwas“, lässt uns das allgegenwärtige Subjekt übersehen, das „wir“ sind.

Es ist im Lärm der Gedanken und der daraus erschaffenen Gefühle, einfach nicht sichtbar. Und damit ist eine ganze Dimension von Wirklichkeit für einen normalen menschlichen Geist unserer Zeit nicht sichtbar. Zu stark ist der Zwang zu denken und zu fühlen und daheraus Realität zu schöpfen. Die tiefere Dimension von Wirklichkeit bleibt dem Menschen dabei verborgen. Und damit eine ganze Dimension von sich selbst.

Geistige Reife in diesem Sinne, bedeutet die Erkenntnis, das Geist selbst in seiner dimensionslosen Reinheit allgegenwärtig ist und er sich dessen dann auch bewusst wird, wenn er jede aufmerksame Verfolgung der Denkaktivität unterlässt. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz, denn jede Denkaktivität ist bereits Ausdruck eines unruhigen Geistes, der sich seiner selbst dadurch eben nicht bewusst ist. Wäre er sich seiner selbst bewusst, würde von selbst keine von sich selbst abgelenkte geistige Aktivität mehr stattfinden.

Harmonie ist in sich immer still

Eine direkt aus sich selbst heraus stattfindende geistige Aktivität ist immer absolut kongruent zur aktiven (aktuellen) Situation. Sie kann nur Handlungen hervorbringen, die aus der selbstbesonnenen Intelligenz stammt, die wir bereits sind, die aber nun, durch die Selbstbesonnenheit, ihren direkten Ausdruck in der Welt hervorbringt. Diese Handlungen sind nicht mehr Abbild eines unruhigen, selbstbezogenen, sich in Gedanken und somit in der vergleichenden Welt von „Für und Wider“suchenden Geistes.

Ein Mensch kann grundlegend in sich genau so harmonisch sein wie eine Katze oder ein Hund oder ein Tiger … wie jedwedes Tier. Egal wie er als Ausdruck in der Welt erscheint.
Als Paradiesvogel oder introvertierter Computerfreak, oder Boxer oder Philosoph oder
Hausfrau … Selbstbesonnenheit bringt die individuelle Blüte des Menschseins erst so
richtig hervor.

Und dazu braucht es die totale Hinwendung zu sich selbst als Stille und die Abwendung von allem äußeren Interesse, das ausschließlich dem Denken dient. So lange, bis sich die nach innen gerichtete Aufmerksamkeitsrichtung so gut im geistigen und körperlichen System installiert, bis sie anstrengungslos läuft. Damit ändert sich die gewohnte Sicht und wir empfangen uns in einem veränderten Bewusstsein. Jeder Mensch, der ernsthaft an einer anderen Dimension des Bewusstseins seiner selbst interessiert ist, muss sich, früher oder später, der Stille zuwenden.

Nur hier wird alles sichtbar, was sich regt. Nur hier funktioniert unumwunden der Spiegel der Bewegung, in dem sich der Spiegel der Stille erkennt. Hier wird der pausenlose freie Fall sichtbar. In dieser Sichtbarkeit versinkt die alte Welt und offenbart etwas vollkommen Neues. Etwas, das den Untergang aller Reiche lohnt.

 

 

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2 Kommentare

  1. Johannes

    Du findest wunderschöne Worte liebe Nicole für das was mich bewegt was meinen Lebensinhalt bedeutet. Jetzt, draußen in der Natur, die Stille, der Mond, die Nacht. Wach sein, jeder Schritt jeder Atemzug jetzt. Aufwachen. Wir leben in der Dualität. Ich nehme die niedrigen Schwingungen wahr, die von der Gewalt dem Krieg, der Bedrohung unseres gewohnten Lebens ausgehen. Ich fühle hier keine Resonanz.
    Der duale Gegenpol ist für mich die Stille, die Schönheit das Glücklichsein. Tauchen wir ein, nutzen wir die Chance. Es ist wunderschön wahrzunehmen, wie viele Menschen auf dem Weg sind zu sich selbst. Wir begleiten uns, wir halten das Resonanzfeld.

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    • Nicole Paskow

      Vielen Dank, lieber Johannes für Deine nahen Worte! LG Nicole

      Antworten

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